Handbuch Islam

Walter M. Weiss (Hg.)

Von lym
DuMont-Monte-Verlag 2002,
261 S.,EUR 10,30.

Gabriel Mandel Khân stellt in seiner kürzlich erschienen Kulturgeschichte des Islam den Propheten Mohammed in den Mittelpunkt. Während die Bibel im Laufe von ca. 1000 Jahren entstand und über 50 Autoren an ihr mitwirkten, wurde der Koran von einem Einzelnen, nämlich Mohammed, in nur 23 Jahren verfasst. Die beiden Weltreligionen beeinflussten sich von Anfang an gegenseitig. Im Bereich der Wissenschaft, der Literatur und der Architektur hat Europa dem Islam bis heute sehr viel zu verdanken. Gabriel Mandel Khân stellt in dem reich bebilderten Buch die Geschichte Mohammeds und des Islams vor und beschreibt darin eine von Toleranz und Nächstenliebe geprägte Religion.
Ein weiteres Buch, das zur Verständigung beitragen will, ist der von Walter M. Weiss herausgegebene Sammelband „Handbuch Islam“. Das Buch beinhaltet zahlreiche gute Beiträge rund um den Islam von renommierten WissenschafterInnen und AutorInnen. Der Islam erfüllte als vermeintliche Bedrohung der christlichen Welt durch den arabischen bzw. türkischen Islam für das Christentum stets eine auf Opposition und Kontrast abgestellte Funktion der Selbstvergewisserung. „Seine Rolle war die des Anderen, des 'Intimfeindes', der zu nah ist, um gänzlich exotisch zu erscheinen, und zu geschlossen, eigenwillig und konsistent, um sich domestizieren oder neutralisieren zu lassen“, schreibt der spanische Autor Juan Goytisolo. Das Verhältnis Christentum-Islam war also von jeher geprägt von ideologischer und kultureller, ja sogar militärischer Konkurrenz und Auseinandersetzungen.
Völlig selbstverständlich wird hierzulande immer von „dem Islam“ gesprochen. Doch gibt es diese einheitsstiftende und fassbare Größe überhaupt? Oder ist es nur ein Konstrukt westlicher OrientalistInnen? Auch diese Frage wird in dem Buch diskutiert. Das gegenwärtige Bild vom Islam ist oft perspektivisch verzerrt und unter dem Einfluss ethnozentristischer Denkgewohnheiten. FundamentalistInnen gibt es wohl in jeder Religion und man kann sie auch erkennen, vorausgesetzt, man setzt sich die richtige Brille auf die Nase. Das „Handbuch Islam“ stellt die Grundlagen des muslimischen Glaubens vor, die Geschichte der islamischen Welt, zeigt deren Lebensrealitäten auf und widmet sich der islamischen Kunst und Kultur. Am Ende des Buches werden ausgewählte muslimische Länder wie z.B. der Iran, die Türkei oder Pakistan näher betrachtet. Ein äußerst interessantes Buch mit vielen exzellenten Beiträgen von wahren KennerInnen der Materie.

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