Heinz G. Schmidt: Adiós Revolución

Eine Reise ins Herz Lateinamerikas

Von Ralf Leonhard
Herder Verlag, Freiburg, Basel, Wien 2005, 224 Seiten, € 20,50

Es liegt im Wesen der Zweitverwertung, dass man ihr diesen Charakter des Nebenprodukts anmerkt. Dieser Band basiert auf einer Serie von Radioreportagen aus dem Jahr 2005, für die der deutsche Journalist Heinz G. Schmidt die Länder Lateinamerikas, die er aus den bewegten Zeiten der späten 1970er und frühen 1980er Jahre kannte, nochmals aufsuchte.
Die impressionistischen Geschichten aus zwölf Ländern zeichnen oft sehr anschauliche Bilder aus einstigen Zentren des revolutionären Aufruhrs, bleiben aber insgesamt zu bruchstückhaft, um echt zu informieren. Dabei kommen, was im Rundfunk nicht auffällt, einige Jahreszahlen durcheinander und Namen werden falsch geschrieben. Außerdem erliegt der Autor der Versuchung, sich als Ich-Erzähler in den Mittelpunkt des Geschehens zu stellen. Was im Radio eine Spurensuche authentisch macht, wirkt gedruckt oft penetrant. Dennoch gelingt es dem Autor immer wieder, aus authentischen Stimmen und Flashbacks aussagekräftige Skizzen zu weben. Als Kronzeugen treten alt oder erwachsen gewordene Freunde und Informanten auf, die ihre eigene Enttäuschung über die Veränderungen der letzten 20 oder 25 Jahre zu Protokoll geben.
Es ist in erster Linie Enttäuschung, zumindest Ernüchterung, die die Protagonisten der revolutionären Bewegungen in Zentralamerika, Argentinien oder auch in Kolumbien empfinden. Durchaus symptomatisch ist es, dass ein junger Polizist, der sich 1979 als begeisterter Sandinist die demokratischen Umwälzungen der Revolution ausmalte, inzwischen als illegaler Einwanderer in Miami lebt. Schmidt malt ein durchaus zutreffendes Bild von Nicaragua im Jahr 25 nach der Revolution, wo die sandinistische Bewegung tief gespalten ist und einige der ehemaligen Comandantes ihre hölzerne Rhetorik noch immer nicht der Wirklichkeit anpassen konnten. Wer aber wissen will, was dazwischen passiert ist, der muss woanders nachlesen.

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