Hella Braune / Frank Semper: Nah dran Chile

Ein Reisekompass

Von Michaela Königshofer
Mit zahlreichen Fotos und Karten. Verlag Sebra, Hamburg 2005, 464 Seiten, € 23,90

Das Eingangszitat des Reiseführers „Das Land hat eine so gute Luft, dass nie jemand krank geworden ist“ (Chronist des Chile-Eroberers Pedro de Valdivia), scheint zwar beim ersten Mal Lesen seltsam, aber es stimmt. Die Luft in Chile ist wirklich auffallend gut.
Der Einführungsteil dieses neuen Reisekompasses aus dem auf Lateinamerika spezialisierten Kleinverlag bietet einen komprimierten Einblick nicht nur in die Geschichte und die geographische Lage des Landes, sondern lässt auch Themen wie Medien, Sport oder Literatur nicht aus.
Die Autoren scheuen provokante Aussagen nicht und stellen sich der chilenischen Alltagsrealität ohne glorifizierende Umschweife, wie folgende Aussage belegt: „Wer sich von einer Chile-Reise lukullische Genüsse erwartet oder erhofft, der muss sie entweder in den Spitzenrestaurants der besseren Viertel von Santiago suchen, oder er bucht lieber gleich sein Reiseziel um.“ Hier wird dem Autorenpaar kaum ein Chile-Reisender widersprechen.
Im Allgemeinen ist der Reisekompass pointiert geschrieben. Textfelder mit verschiedenen Themenschwerpunkten oder Erfahrungsberichten lockern die Reiseführerempfehlungen auf.
Die Karten für die einzelnen Städte sind leider oft nicht ausreichend, um sich in einer Stadt orientieren zu können – wie sich die Rezensentin kürzlich auf einer Chile-Reise überzeugen konnte. Besonders enttäuschend ist die Karte von Santiagos Zentrum, diese hätte wirklich größer und detaillierter ausfallen können. Nicht vergessen wurde allerdings ein U-Bahnplan, mit dem man die praktische Metro in Santiago schnell für sich nutzen kann.
Die beschriebenen Unterkünften sind in drei Kategorien unterteilt (für eine Handvoll Pesos, Mittelklasse, Oberklasse) und geben praktische Anhaltspunkte für die Wahl von Übernachtungsplätzen.
Eine der Kuriositäten des Reiseführers ist das Glossar. Hier findet man keine üblichen Reise-Vokabeln wie „Guten Tag“ oder „Auf Wiedersehen“, sondern Übersetzungen für betrunken herumirren, fremdgehen, Muttersöhnchen oder Fußballfan.
Wie alle Sebra-Reiseführer (Kolumbien, Kuba, Bolivien, Dominikan. Republik u.a.) ein wichtiger Vorbereiter und ein wertvoller Begleiter für die Reise.

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