Hinter dem Paradies

Von Redaktion · · 2011/12

Mansura Eseddin

Roman. Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Unionsverlag, Zürich 2011, 200 Seiten, € 19,90

Ägypten, vor wenigen Jahren: Die ca. 30 Jahre alte Salma Raschid verlässt Kairo und kehrt in ihr Heimatdorf zurück. Die Ehe mit dem pakistanisch-britischen Sija, die sie gegen den Willen ihrer Eltern eingegangen war, ist gescheitert. Nun sucht Salma im Dorf Ruhe. Sie hat begonnen, einen Roman zu schreiben, um ihre eigene Vergangenheit und die ihrer Familie aufzuarbeiten. Sie will die Geheimnisse ausloten und hofft, auf diesem Wege auch die oft gewaltsamen Träume, die sie plagen, verstehen zu können. So lässt sich in knappen Worten der Kern von „Hinter dem Paradies“ skizzieren, dem ersten Roman der ägyptischen Publizistin und Schriftstellerin Mansura Eseddin, der ins Deutsche übertragen worden ist.

„Ein furchtbares Schuldgefühl hatte sie erfasst. Das Gefühl eines Verbrechens, das ewig auf ihr lasten würde, und keinerlei Hoffnung, diesen Fluch zu tilgen. […] Mit geschlossenen Augen blieb sie liegen und ließ ihr Leben an sich vorüberziehen. Nein, da war kein Verbrechen. Gott sei Dank! […] Doch ihre Verwirrtheit legte sich nicht. Sie kannte das: Wieder einmal hatte die Traumwelt die Oberhand über ihr wirkliches Leben gewonnen.“

Traum und Wirklichkeit, reale Geschehnisse und Geistererfahrungen fließen in dem Roman eng ineinander. Auf der realen Ebene spiegelt das Werk die gesellschaftlichen Veränderungen am Land von den späten 1970er Jahren bis heute wider. Es zeigt insbesondere auch die verheerende Rolle, die das Aufkommen der Ziegelfabriken und der dadurch ausgelöste Goldrausch spielten. Nach Ansicht von Mansura Eseddin, die selbst in einem Dorf aufwuchs, ist es wichtig, solche gesellschaftspolitischen Entwicklungen zu verstehen, da sie mit zum revolutionären Potenzial beitrugen, das sich Anfang 2011 schließlich entlud.

In „Hinter dem Paradies“ ist diese Realität eng verwoben mit den Geschichten von Djinns – von Geistern und Dämonen –, die am Land bis heute zirkulieren. In den Dörfern glauben viele Leute an Träume und an Traumdeutung. Was tatsächlich geschehen ist und was nicht, ist bisweilen nicht sicher. Und so verhält es sich auch in dem vorliegenden Buch.
Brigitte Voykowitsch
(Vgl. Interview mit der Autorin auf S.14.)

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