Hoffen geht nur zusammen

Von Nermin Ismail · · 2022/Mar-Apr
Nermin Ismail (c) Susanne Schleyer

Gerade in Zeiten wie diesen sollten wir auf marginalisierte Gruppen hören. Medien können dabei einen Unterschied machen.

Wir alle wollen glücklich sein und hoffen auf dasselbe: Sicherheit und Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung, Liebe und Anerkennung. Diese Bedürfnisse spielen eine große Rolle im Empfinden von Glück. Dabei ist es ganz egal, wie unsere Biografien aussehen, welche Sprachen wir sprechen, welchen Bildungsstatus wir haben, woher wir kommen, wo wir leben oder wie wir aussehen. Daran müssen wir heute, in Zeiten von Populismus, Ausgrenzung und Extremismus, immer wieder erinnern.


Obwohl wir alle auf dasselbe hoffen, bleibt die Verwirklichung dieser Hoffnungen ein Privileg. Weil wir es noch nicht geschafft haben, allen die gleichen Chancen auf dieser Welt zu ermöglichen. Bestimmte Menschen können nicht auf gewisse Dinge hoffen, weil sie beispielsweise einer marginalisierten Gruppe angehören. Oder weil sie von Normen, die in der Gesellschaft gelten, abweichen. Worauf wir hoffen können, kommt auch darauf an, inwiefern der jeweilige Lebensbereich politisch geregelt ist. Entlang der Achsen Nationalität,  Klasse, Geschlecht z. B. sind unsere Wahlmöglichkeiten und diesbezügliche Hoffnungen politisch ungleich verteilt.


Verantwortung für andere. In meinem Buch „Hoffnung“ stelle ich die Frage: Wie können wir unsere Hoffnungen als Gesellschaft gegenseitig stärken und welche Verantwortung tragen wir füreinander? Ich spreche mit Menschen, denen die Hoffnung fast abhanden kam und versuche herauszufinden, was ihnen diese zurückgab und wie sie es schafften, nicht aufzugeben.


Hoffnung kann nur im gemeinsamen Handeln und im Miteinander entstehen und realisiert werden, meinte die politische Denkerin Hannah Arendt. Aus unserem Privileg, mehr als andere hoffen zu können, entspringt die Verantwortung, etwas für die Träume, Sehnsüchte und Ziele anderer zu tun.

Für das Hoffen ist das Vertrauen unabdinglich. Wir müssen miteinander sprechen, damit wir gemeinsam handeln und Hoffnung schöpfen können. Auch Journalist*innen spielen eine große Rolle dabei, Vertrauen und Nähe zu anderen zu schaffen. Vor allem wenn es um Menschen geht, denen mit Vorurteilen begegnet wird, haben Medien die Macht, Angst zu schüren oder Nähe zu schaffen. Das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen – oder das Trennende.


Positive Verstärker. Hoffnungen von Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und ihre Geschichte zu erzählen, ist ein wichtiger Aspekt des Journalismus. Wir müssen ein Sprachrohr für jene sein, die selbst kaum Gehör finden, auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen und auf das Positive hinweisen.


Wir müssen klarmachen: Es ist nichts verloren, solange wir einander zuhören sowie uns für die Geschichten anderer interessieren. Und solange wir immer wieder erkennen, dass wir nicht frei sind und niemals frei sein werden, wenn wir uns nicht für die Freiheit, Selbstbestimmung und den Kampf anderer einsetzen. Wir alle wollen gehört werden, deswegen ist es wichtig, dass wir Räume als Gesellschaft schaffen, in denen ein Dialog auf Augenhöhe stattfinden kann. Nichts ist stärker als die Liebe, um unsere Hoffnung zu stärken und dem Hass entgegenzutreten.

Nermin Ismail ist Journalistin und Autorin aus Wien. Ihr neues Buch „Hoffnung“ erschien 2021 beim Verlag Kremayr & Scheriau (120 Seiten, € 18).

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