Hoffnungslosigkeit in die Flucht schlagen!

Courage statt wahltaktischer Zynismus in Türkis. Für die Aufnahme von Geflüchteten aus Moria stehen Initiativen im Land ein.

Von Christine Tragler
© Illustration: Thomas Kussin

Sie leben, weil sie geflüchtet sind. Übers Meer. Vor Kriegen und anderen Katastrophen. Erschöpft und traumatisiert sind sie auf der griechischen Insel Lesbos angekommen. Frauen, Männer und Kinder. Im Lager Moria, ursprünglich für 2.800 Menschen konzipiert, mussten in den vergangenen fünf Jahren bis zu 20.000 Geflüchtete unterkommen. Das Einzige, was sie haben: Die Hoffnung auf ein besseres Leben.

Und genau das ist manchen zu viel. Denn: Hoffnung, so rahmt sie etwa der österreichische Außen-
minister Alexander Schallenberg (ÖVP), ist ein vermeintlicher „Pull-Faktor“. Also ein Anreiz, zu kommen. Im September, kurz nachdem die Flüchtlingszelte in Moria abbrannten, verkündete er in der ZIB im ORF: Man solle keine Signale aussenden, dass es eine Hoffnung gebe, nach Europa zu gelangen. Das „Geschrei nach Verteilung“ sei keine Lösung.

Verantwortung tragen. Die Skandalisierung von wenigen Tausenden Menschen ohne Obdach aus dem Textbuch rechtspopulistischer Parteien ist nun Teil der politischen Erzählung der ÖVP.

Die Verantwortung, die Österreich, wie jedes andere Land der EU, für die untragbaren Zustände in Moria übernehmen muss, wird als „Geschrei“ abgetan. Stattdessen setzen die türkisen PR-StrategInnen ungerührt auf die Kriminalisierung von Flucht sowie auf Abschreckung.

Der Mythos vom „Pull-Faktor“ kehrt dabei immer wieder. Gerne wird er von der ÖVP auch als Argument gegen die Seenotrettung eingesetzt. Besser im Meer ertrinken, als Hoffnung auf eine Rettung zu haben? Vor lauter Buhlen um Stimmen von FPÖ-WählerInnen ist die ÖVP unhaltbar zynisch geworden.

Indes spitzt sich die Lage auf Lesbos weiter zu. Über die grassierende Hoffnungslosigkeit berichtet z.B. Idoia Moreno, die für die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) eine Krankenstation auf der Insel leitet: „8.000 Kinder sind im Lager. Sechsjährige denken daran, sich das Leben zu nehmen.“

Kreislauf durchbrechen. Wir haben Platz! Es gibt beispielhafte Initiativen, etwa von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im ganzen Land, darunter auch einige ÖVP-PolitikerInnen, die Geflüchtete aus Moria aufnehmen würden. Auch die Stadt Wien hat sich bereit erklärt, hundert schutzbedürftige Kinder zu beherbergen.

Wie viele Kapazitäten es im Land gibt, das führt zudem die Initiative Courage mit dem Hashtag #144 vor Augen. Eine breite, zivilgesellschaftlich organisierte Allianz sammelt seit Wochen Unterkünfte, um Menschen aus Moria und aus anderen heillos überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln zu retten.

Österreich hat schon 2015 bewiesen, dass es möglich ist, Menschen Hoffnung auf ein besseres Leben zu geben. Es geht um die Würde von uns allen.

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