Honig von glücklichen Bienen

Die 140 Mitglieder der chilenischen Fairtrade-Kooperative APICOOP haben sich der Philosophie des Imkerns verschrieben – nicht zuletzt dank der enthusiastischen Unterstützung von Juan „Chino“ Henríquez Santos.

Von Michaela Krimmer
„Chino“ ist seit über 20 Jahren Imker. Seine Bienen sind – noch – nicht vom weltweiten Bienensterben betroffen.

Als Juan Henríquez Santos, von allen nur Chino genannt, Anfang der 1980er Jahre in einem kirchlichen Projekt eine Kooperative für ImkerInnen aufbauen wollte, hatte er es nicht leicht. Nicht nur herrschte in diesen Jahren General Pinochet mit diktatorischer Hand, der Kooperativen nach dem Prinzip „Teile und herrsche“ zerschlug. Auch die Kunst des Imkerns in der Region Valdivia, 1.000 Kilometer südlich von Santiago de Chile, war kaum bekannt. Bienen wurden dort von vielen nur als Fliegen bezeichnet. „Und noch dazu: Gemeinschaftliches Arbeiten ist nicht einfach“, sagt Chino. „Aber es ist die einzige Möglichkeit, uns wirtschaftlich zu behaupten.“

Seit 1998 produziert die APICOOP Valdivia nun offiziell als Kooperative Honig, und heute verkauft sie 80% ihrer Ernte an Fairtrade. In der 1.200 km2 umfassenden Imkerei-Region hat sich seitdem vieles verbessert: Die Honigproduktion sichert ein stabiles (Zusatz)-Einkommen. Der Schulbesuch der Kinder hat sich verlängert, viele Erwachsene haben Schreiben und Lesen gelernt und vor allem: Die meisten wohnen nun in stabilen Häusern, lebenswichtig in dem ganzjährig feucht-gemäßigten Klima von Valdivia.

Der gelernte Tierarzt Chino ist seit 1983 Imker mit Leib und Seele. Mit Leib vor allem, wenn seine Frau Honigkuchen backt. Mit Seele, wenn er draußen seine 150 Stöcke überprüft. „Imkern kann nicht jeder“, meint Chino. „Es erfordert Geduld, Ruhe und Hingabe.“ Vor allem für die Jugendlichen sei es deshalb schwer, in dem Gewerbe Fuß zu fassen. „Es ist wie Noten lesen“, vergleicht er. Natürlich erledigen die Bienen ihre Arbeit auch ohne menschliches Zutun. Doch möchten die ImkerInnen von Valdivia eine gute Honigernte, müssen die Stöcke gut im Auge behalten werden: was sich drinnen tut, was sich draußen tut, welche Pflanzen gerade blühen. Bienen sind sehr sensible Tiere (vgl. Thema „Bienen“ SWM 11/09), die auf Veränderungen stark reagieren. Vor allem der Klimawandel macht ihnen zu schaffen. In Chinos Region gingen dieses Jahr 80% der Ernte verloren, weil die Blüten sich viel zu spät öffneten. „Die Tomaten haben zu einer Zeit geblüht, da ist es schon wieder kalt geworden“, sagt Chino.

Vom rätselhaften weltweiten Bienensterben ist die gesamte Kooperative APICOOP zum Glück – noch – nicht betroffen. Vielleicht liegt einer der Gründe im landwirtschaftlichen „Nachteil“ der Region. Da die Landwirtschaft des Nachbarlandes Argentinien so stark ist, würde es sich nicht auszahlen, große Monokulturen anzulegen, erklärt Chino. Und so sind kaum Monokulturen vorhanden und auch keine genmanipulierten Pflanzen, auf die manche ForscherInnen das Massenbienensterben zurückführen.

Trotzdem möchte APICOOP jetzt in die „Mini-Landwirtschaft“ einsteigen: in den Anbau von Heidelbeeren. Mithilfe von Traidcraft, der britischen Fairhandelsorganisation, hat die Kooperative in 20 Hektar Land und in Heidelbeersamen investiert. Die Beeren sollen eine gewisse Sicherheit geben, falls einmal eine Honigernte nicht so gut ausfällt. Und so gibt es vielleicht bald schon Fairtrade-Heidelbeersaft aus Chile.

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