Horchposten Hosp

Notizen zu einem kurzen Aufenthalt in Beirut.

Autos. Heisere Rostlauben ohne Scheinwerfer und Stoßstangen. Leise summende, dunkle, glitzernde Schlitten. Häuser. 100 gläserne Stockwerke hoch. Daneben die hohläugige Ruine einer Villa, von deren mediterranen Eleganz nur noch die Spitzbögen bruchstückhaft erzählen. Bleiche, fleckige Betonkästen, von deren Balkons zerfetzte Vorhänge wehen.
Menschen. Ein weiches Arabisch sprechend, durchsetzt mit englischen und französischen Wortinseln.

Wir sind im Libanon. Ich begleite Marwan Abado, den in Wien lebenden Libanesen, und Peter Rosmanith (CD „Marakeb“. Iris Records, Vertrieb Lotus) auf einer kleinen Konzerttournee, in Theatern, Universitäten und Kirchen. Musik. Pop in der Halle des eben eröffneten Megastore. Draußen ein alter Ud-Spieler, der mit listigem Lächeln singt und dazwischen Lose verkauft. Aus einem kleinen Musikladen die Stimme von Fairuz, dem Superstar des Landes. Eben hat sie ihre neueste CD veröffentlicht, aufwendig arrangiert, neben den Liedern ihres Sohnes Ziad Rahbani auch mit einigen Evergreens versehen (Fairuz: „Wala Kif“. EMI 07243 538076 2 7). Aus einem Auto eine Mischung aus Flamenco und arabischen Elementen (Jose Fernandez & Wadih El-Safi. Elefteriades Productions. Tel.: 00 961 9 640892).
Und: Gerüche! Beirut leidet an Atemnot, obwohl es am Meer liegt. Nur einmal, als ich in der Konzertpause vor dem Theater stehe, dreht der Wind, und die Komposition aus Salz und Sehnsucht hängt mit einem Mal in der Luft.

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