Humorberatung

Georg Bauernfeind ist unser Reporter des Wahnsinns

Wie vielleicht einige Leserinnen und Leser dieser Kolumne ahnen, bin ich nicht hauptberuflich Südwind-Kolumnist. Obwohl das zweifellos ein schöner Beruf wäre, aber die Frau Chefredakteurin meint, dass das im derzeitigen Wirtschaftssystem selbst für das Südwind-Magazin so nicht möglich sei (ein Monatsgehalt für eine Kolumne). Ich habe dafür Verständnis, obwohl mich dieser Umstand dazu zwingt, auch anderen Geschäftstätigkeiten nachzugehen. So bin ich seit neuestem auch Humorberater.

Das klingt schräg, ist mir aber todernst: Denn ich sehe eine Marktlücke. Gestern lief im Fernsehen nach der Banken-Diskussion eine Dokumentation über einen Finnen, der ein Jahr lang im Selbstversuch ohne Erdöl lebte. Als er daran ging, seine Ölheizung auf eine Stromheizung umzustellen (eh Ökostrom!!!), drehte ich ab. Fad, ernst, trocken. Dieser Mann wäre zweifellos ein Fall für mein neues Geschäftsfeld Humorberatung.

Jetzt sagen Sie vielleicht: Der Bauernfeind ist wirklich wahnsinnig! Die Banken krachen, die Leute sterben in den armen Ländern, für die Entwicklungszusammenarbeit ist kein Geld da – und der macht Humorberatung! Das Letzte, was wir in dieser Situation brauchen, sind Pausenclowns, die uns in den deutschen TV-Formaten mit ihren Plattheiten noch den Rest der guten Laune nehmen! Wir brauchen Strategien, Konzepte und die Weltrevolution! Sicher keine Pointen!

Ich höre den Einwand, nehme ihn ernst und verzichte auf die Schlusspointe. Schreibe in den verbleibenden Zeilen also einen kleinen Aufsatz zum Thema: Mein schönstes ökologisches Herbsterlebnis. Unser Fußball-Klupp (wir nennen uns wirklich so) traf sich um 7 Uhr in der Früh!!! am Sonntag!!! in Wien-Meidling am Bahnhof. Dann Abfahrt mit dem Regionalzug nach Payerbach-Reichenau, Umsteigen in den Bus nach Hinternaßwald, Aufstieg auf die Schneealpe, 1. Einkehrschwung (Radler), Sonnenbad, weiter zum Gipfel, 2. Einkehrschwung (Most), hinunter ins Tal nach Krampen, mit dem Naturparktaxi nach Mürzzuschlag, 3. Einkehrschwung (Bier), hinein in den slowenischen Speisewagen des Intercity, wo wir – 4. Einkehrschwung – den Heidelbeer-Schnaps probieren MUSSTEN!

Wie versprochen: Keine Schlusspointe, aber wir hatten verdammt viel Spaß – gemeinsam, ökologisch und autofrei. Und weil mir das mit der Humorberatung wirklich ernst ist, hier ist die Webadresse: www.humus.cc. Und, bevor ich es vergesse: HUMUS steht für Humor und Sustainability.

Georg Bauernfeind ist Kabarettist und Publizist in Wien. www.georg-bauernfeind.at

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