Hybridität – Transkulturalität – Kreolisierung. Innovation und Wandel in Kultur, Sprache und Literatur Lateinamerikas

E. Gugenberger, K. Sartingen (Hg.):

Sachbuch. Lit Verlag, Wien 2012, 260 Seiten, EUR 19,90

Schon 1940 hat der Kubaner Fernando Ortiz mit dem Begriff „Transkulturalität“ die innovativen Möglichkeiten beschrieben, die aus Kontakten von Menschen unterschiedlicher Hintergründe entstehen können. Heute sind zunehmend mehr transkulturelle Räume und gleichzeitig das Verschwinden von Grenzen zwischen Peripherie und Zentrum, zwischen national und indigen zu orten, der „cultural turn“ ist da. Konzeptualisierungen wie Hybridität, Transkulturalität und Kreolisierungen werden neu interpretiert. Der interdisziplinäre Band ist ein interessanter Beitrag zur wissenschaftlichen Debatte neuerer Forschungsparadigmen und ihrer Anwendung im lateinamerikanischen Kontext.

Eine gute Einführung ist der Aufsatz der österreichischen Lateinamerikanistin Eva Gugenberger „Hybridität und Translingualität: lateinamerikanische Sprachen im Wandel“. Zwar steht das sprachwissenschaftliche Hybriditätskonzept im Mittelpunkt der Betrachtung, doch gelingt es der Autorin weitgehend, fächerübergreifend die Leitbegriffe des Bandes zu erläutern. Insgesamt machen die theoretisch ausgerichteten Beiträge zu Beginn neugierig auf die folgenden Fallbeispiele aus dem lateinamerikanischen Raum. Der allerdings gehört, um mit einem der Zitierten zu sprechen, auch teils zum „dritten Raum“. Geht es doch, etwa bei bilingualer Sprechpraxis, gleichzeitig um die „identitäre Verortung“, um das Mischen von Codes als Ausdruck von Zugehörigkeit oder auch Abgrenzung, je nachdem.

Von einem transkulturellen Raum der jüngsten Vergangenheit erzählt der Beitrag von Juliana Ströbele-Gregor. Er befasst sich mit der Konstruktion des Selbstbildes „indianischer“ politisch aktiver Frauen, das in Autobiographien vermittelt wird bzw. wurde. Hier werden die Produktion der Selbst-Imago von Rigoberta Menchu und der kürzlich verstorbenen Domitila Barrios de Chungara in Kooperation mit westlich gebildeten Intellektuellen analysiert. Ein sehr gelungenes Jahrbuch des Österreichischen Lateinamerika-Instituts.   
Gabriele Müller

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