„Ich bin Schürfer“

In den Schulferien gehen wir in die Minen. Wir müssen ja schließlich von etwas leben. Ich bin Schürfer, ich grabe nach Coltan, aber es gibt keine Straßen, also muss ich das Zeug auf meinem Kopf tragen und 150 Kilometer gehen, um nach Bukavu zu gelangen. Kann man 200 Kilo auf dem Kopf nach Bukavu tragen? Nein, das ist unmöglich.
Wir wissen nicht, wer uns regiert. Im Distrikt Shabunda haben wir Mayi-Mayi-Milizen erlebt, Interahamwe-Milizen, RCD-Rebellen, und es gibt überall Straßensperren. An jeder Sperre muss man bezahlen: Passierschein, Vignette, Transportgebühr usw. Man muss nach Gewicht zahlen: 50 kongolesische Franc pro Kilo, zum Beispiel. Es gibt zehn oder zwanzig Sperren, und dazu noch Militärs auf dem Weg, die auch Geld verlangen.
Der Bergbau bei uns funktioniert nicht mehr so wie zur Zeit der Weißen. Es gibt kein Material, keine Organisation. Mineralien sind genug da, aber wir verdienen nichts. Wer verdient, sind die Leute, die nicht arbeiten. Wir haben nicht genug zu essen und keinen ordentlichen Platz zum Schlafen. Wenn hohe Tiere hierher kommen, verlangen sie, dass wir eine Woche lang umsonst für sie arbeiten, sonst stecken sie uns ins Gefängnis.
Wenn ich in Bukavu ankomme, gehe ich zu meinem Bruder. Wir gehen zum Handelskontor und reden mit dem Chef. Er nimmt das Coltan, testet es und sagt, der Tantalgehalt ist zu gering, es sind nur fünf Prozent. Das sagt er auch dann, wenn es in Wirklichkeit 20 oder 30 Prozent sind. Also muss man sein Geld mit denen teilen, die die Testgeräte haben.“


Patrice Kyantenge, 17-jähriger Schüler aus der ostkongolesischen Stadt Shabunda, sprach bei einer Expertenkonferenz in Kongos Hauptstadt Kinshasa am 28. Juli 2004.

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