„Ich will die Menschen wachrütteln“

Ärger über ungerechte Machtverhältnisse und die ausbeuterische Konsumgesellschaft lassen Antonio Zapata zum Pinsel greifen. Karoline Hausmann hat ihn besucht.

Vor der Personifikation Europas zeigt Zapata, was der gesellschaftspolitische Status quo bei ihm zuweilen auslöst.© Andreas Koschutnig

Antonio Zapata springt buchstäblich von der einen Seite des großformatigen Bildes auf die andere, zeigt auf ein noch unentdecktes Detail, während es nur so aus ihm heraussprudelt. Themen wie Migration, Eurozentrismus, modernes Sklaventum, die Ausbeutung natürlicher Rohstoffe, Umweltverschmutzung, der reiche Norden und der arme Süden sowie die Frage der Identität sind es, die den Künstler beschäftigen, mitunter wütend machen.

Zapata kramt aus einem Stapel Bilder eines seiner neuesten Werke hervor: die Personifikation Europas treibt tot auf der Wasseroberfläche. An ihrem Körper kentern Boote, sie ist umringt von den Leichen unzähliger Flüchtlinge. Leere Plastikflaschen und verzweifelt schwimmende Menschen, die ihre Arme in Richtung „Europa“ strecken, bevölkern den Grund des Mittelmeers. „Mit jedem Flüchtling, der stirbt, stirbt auch ein Teil Europas – ein Teil der Menschlichkeit Europas“, sagt der Künstler nachdenklich.

Antonio Zapata sieht seine Kunst als Mittel zum Protest. „Ich will die Menschen mit meinen Bildern wachrütteln“, betont er. „Ich will den Leuten bewusst machen, dass sich unsere Zivilisation in eine völlig falsche Richtung entwickelt.“ Dieser Wunsch zur Aufklärung zeigt sich in ausdrucksstarken Werken – detailreich und mit starken Farben.

Antonio Zapata ist Kolumbianer. Seit 1981 lebt er in Wien. Zapata zeichnet schon sein Leben lang, zur Ölmalerei fand er im Jahr 2000. Sein Alter preiszugeben hält er für unwichtig. Er erzählt, dass ihn sein Dasein zwischen zwei Kulturen oft aus dem Gleichgewicht bringe. Aber seine Seele finde Ruhe in der Malerei, die für ihn zur Leidenschaft geworden ist. Überall in seiner Wohnung im 17. Bezirk hängen, stehen, und liegen – meist großformatige – Werke. „Solange ich ein Bild nicht verkauft habe, ist es noch nicht fertig“, sagt Zapata. Immer wieder wird ein Detail verändert oder ein neues Detail hinzugefügt. So sind seine Ölmalereien einer unentwegten Entwicklung ausgesetzt, verändern sich täglich mit ihm und seinen Gedanken über die Welt.

Mehr zu Antonio Zapatas Schaffen: zapata.co.at

Nächste Ausstellung: 27.11. (Vernissage, 19:00 Uhr) sowie 28. und 29.11. (jeweils 11:00 - 20:00 Uhr) Lateinamerika-Institut, Türkenstraße 25, 1090 Wien.

Karoline Hausmann lebt in Wien. Sie hat Kunstgeschichte, Publizistik und Internationale Entwicklung in Wien und Salamanca studiert.

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen