Auf literarischer Entdeckungsreise im Süden

Von Bodo Hell ·

Wer in den Siebzigern den Geniestreich „Der Kopf des Vitus Bering“ von Konrad Bayer gelesen oder später die Kassette mit der Stimme des Autors gehört hat, wird nicht nur Feuer in bezug auf literarische Technik gefangen haben (mitnichten um ihrer selbst willen, siehe dazu Bayers ausführlichen Index), sondern sie/er wird anhand der Dokumente der Nordvölker die extremen arktischen Regionen auch als speziellen Denkraum entdeckt haben.

Jakuten, Jenissejer, Burjaten, Ostjaken, Golden, Tungusen, kanadische Inuits und nicht zuletzt die östlichen Tschuktschen, die ihrer Tradition nach von den Walen abstammen, haben faszinierende Weltentwürfe und Erzählentwürfe entwickelt.

Ein Exemplar so einer Erzählsammlung, die Bayer benutzt hat, wurde mir eines Tages von Mia Williams selig vorgelegt. Dann tauchten einfühlsame Anwälte der Ethnien des Nordens von außen auf, wie etwa Farley Mowat für die Northern Territories („The Snow Walker“) und zuletzt ein autochthoner Sprecher der EisRegionen selbst, der jetzt 70-jährige Tschuktsche Juri Rytchëu, ausgebildet in Leningrad, russisch schreibend. Sein Übersetzer, Leonhard Kossuth, hat ihn im Literaturhaus Salzburg vorgestellt.

„Teryky“ wird nicht nur ein Fischer genannt, der nach Jahresfrist vom Treibeis als zotteliges Halbtier zurückkommt, sondern es ist auch der Titel einer tragischen Liebeslegende um Goigoi und Tin-Tin. Wer von diesem Buch nicht gerührt wird, sprich das tränende Auge, den kann gar nichts mehr rühren. Übrigens: Das tschuktschische Zelt heißt

„Jaranga“, und in einer solchen ist Rytchëu geboren.

„Teryky“ und sechs weitere Bücher des tschuktschischen Autors sind im Schweizer Unionsverlag in deutscher Sprache als Taschenbuch erschienen.

Bodo Hell lebt und arbeitet als Autor in Wien und als Hirt auf dem Dachstein. Er beschäftigt sich mit Prosa, Radio, Theater, Foto, Film, Musik, Almwirtschaft. Soeben erschien von ihm „Augenklappe“, (mit O.Saxinger) im Linzer Verlag Blattwerk.

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