Auf literarischer Entdeckungsreise im Süden

Von Bodo Hell ·

Wer sich auf außertouristischen Pfaden dem PHANTOM AFRIKA nähert, u.z. notgedrungen mit europäischem Blick, wird im Lauf der Recherche bald auf Namen wie Frobenius, Griaule, Leiris, Roussel etc. gestoßen sein, speziell für den westlichen Zentralraum aber auf die ethnopsychoanalytischen Standardwerke von Parin-Matthčy-Morgenthaler: Die Weißen denken zu viel (Dogon, Mali) und Fürchte deinen Nächsten wie dich selbst (Agni, Elfenbeinküste). Wer zudem einmal Gelegenheit hatte, der rezenten afrikanischen Poesie zu begegnen, wird von dieser Einheit aus stimmlichem Vortrag und Körperpräsenz, aus traditioneller Erzählung und kühner Lautpoesie hingerissen sein.

Mir ist so eine Begegnung beim Poesiefestival in Rotterdam unvergesslich, vor allem aber ein gemeinsamer Auftritt mit Kum’a Ndumbe III aus Kamerun zum Thema Potlatsch (diesem nicht nur westküstenindianischen Überbietungsritual) in der Wiener „Alten Schmiede“, wo der Prinz aus Douala (mit Professur in Berlin) eine chorisch unterstützte Erzählung um Mabuka aus Bonabéri (den Allergroßzügigsten) vortrug, der schließlich in seiner machtkonstituierenden Abschenkung an die Großfamilie seiner eben verstorbenen Ehefrau zu weit geht, indem er nämlich auch das Grundstück, auf dem er wohnt und wo die Ahnen ruhen, übergeben will, und wie diese Übertretung dann doch noch in einer wechselseitigen Mehrfachhochzeit rückgängiggemacht und gelöst wird*.

Vom Dichterprinzen und Politologen auf Französisch zuletzt „Dialogue en noir et blanc“ (Paris 1988) und in deutscher Sprache: „Was wollte Hitler in Afrika?“ (Verlag IKO, 1994).

* Der Text ist für InteressentInnen in der SÜDWIND-Redaktion erhältlich.

Bodo Hell, Autor und Almknecht, zuletzt erschienen: „DABLEIB/WEGWILL“ (mit Ernst Skricka), edition thurnhof horn, 2001

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