Fakten

Von Redaktion · · 2008/02

Der Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung ist im vergangenen Jahrzehnt zu einer Art Epidemie geworden.

Was ist Menschenhandel?
Die UNO definiert Menschenhandel folgendermaßen*:
„Die Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder den Empfang von Personen durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderer Formen der Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit oder durch Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vorteilen zur Erlangung des Einverständnisses einer Person, die Gewalt über eine andere Person hat, zum Zweck der Ausbeutung.“
* Auszug aus Artikel 3 des Zusatzprotokolls zum Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität

Wer schafft die Nachfrage?
Die meisten Menschen, die sich Sex kaufen, sind männlich, verheiratet oder leben in einer langfristigen Beziehung. Sie stammen aus allen gesellschaftlichen Gruppen und Sozialschichten.
Anteil der Männer, die sich zumindest einmal in ihrem Leben Sex gekauft haben 3

Wer ist betroffen?
Geschlecht
Frauen und Mädchen haben ein höheres Risiko, zum Opfer von Menschenhandel zu werden als Männer und Jungen, insbesondere wenn es um Sexarbeit geht.

Armut
Die Opfer von Menschenhandel gehören mehrheitlich zu den ärmsten und schutzlosesten Menschen aus armen Ländern.

Herkunftsländer der Opfer von Menschenhandel
Sehr stark betroffen:
Weißrussland, Moldau, Russland, Ukraine, Albanien, Bulgarien, Litauen, Rumänien, China, Thailand und Nigeria.
Stark betroffen u.a.:
Bangladesch, Indien, Nepal, Pakistan, Lettland, Burma, Kambodscha, Marokko, Kolumbien, Mexiko, Brasilien, Vietnam.

Transitländer
Sehr stark betroffen:
Albanien, Bulgarien, Ungarn, Polen, Italien, Thailand
Stark betroffen u.a.:
Bosnien-Herzegowina, Tschechische Republik, Kosovo, Mazedonien, Rumänien, Serbien und Montenegro, Slowakei, Ukraine, Burma, Türkei, Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland.

Zielländer
Sehr stark betroffen:
Belgien, Deutschland, Griechenland, Italien, Niederlande, Israel, Türkei, Japan, Thailand, USA
Stark betroffen u.a.:
Großbritannien, Australien, Kanada, Indien, Pakistan, Saudi-Arabien, Kosovo, Polen, China, Taiwan, VAE, Frankreich, Schweiz,
Bosnien-Herzegowina, Österreich, Dänemark, Tschechische Republik, Kambodscha

Wie verbreitet ist Menschenhandel?
Menschenhandel existiert in praktisch jeder Region der Welt. Menschen aus 127 Ländern werden in 137 Ländern ausgebeutet. 1
Geschätzte 2,4 Millionen Menschen leisten derzeit infolge des Menschenhandels Zwangsarbeit – inklusive Sexarbeit. Das ist etwa ein Fünftel aller ZwangsarbeiterInnen weltweit. 2
Manche ExpertInnen schätzen, dass der Sexhandel rund 80% des Menschenhandels ausmacht. 1 Andere beziffern den Anteil mit 40% – auf Basis der Annahme, dass über andere Formen der Sklaverei noch weniger berichtet wird. 2

Handel in die Zwangsarbeit nach dem Zweck 2
Der Menschenhandel in Europa wird vor allem zum Zweck der sexuellen Ausbeutung betrieben.

Wer profitiert?
Die Gewinne aus dem Handel in die Zwangsarbeit werden auf jährlich 32 Mrd. Dollar geschätzt. Davon stammen rund zehn Mrd. Dollar aus dem anfänglichen „Verkauf“ der Betroffenen, der Rest entfällt auf die geschätzten Gewinne aus ihrer Ausbeutung. 2

Internationale Initiativen gegen den Menschenhandel
Übereinkommen des Europarats zur Bekämpfung des Menschenhandels vom 16. Mai 2005. Ziel des Übereinkommens ist die Vorbeugung und Bekämpfung des Menschenhandels. 36 der 46 Mitgliedsstaaten des Europarats haben das Übereinkommen unterzeichnet, sieben auch ratifiziert.
Zum Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität (in Kraft seit Dezember 2003) existiert ein Zusatzprotokoll zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels, insbesondere des Frauen- und Kinderhandels. 2004 hatten 117 Länder das Protokoll unterzeichnet.
Das UN-Programm gegen den Menschenhandel (GPAT) wurde vom UN-Büro für Suchtstoff- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Forschungsinstitut der Vereinten Nationen für Kriminalität und Rechtspflege (UNICRI) entwickelt und 1999 initiiert.


Copyright New Internationalist


(1) UN Office on Drugs and Crime, Trafficking in Persons, Global Patterns, 2006
(2) International Labour Organization, A Global Alliance Against Forced Labour, 2005
(3) Dr. Teela Sanders, University of Leeds, 2006; Ziffer für Großbritannien: UK Network of Sexworkers Project, 2004

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