Im Land der Feuerblume

Carla Federico

Von Lisa Liesner

Roman. Knaur Taschenbuch Verlag, – München 2010, 780 Seiten, € 9,95

Nach der Agrarkrise und der gescheiterten Deutschen Revolution 1848/49 suchten zigtausende Deutsche und auch Österreicher – Männer und Frauen – eine bessere Zukunft in Südamerika. Beginnend am Hamburger Hafen, begleitet der Leser / die Leserin in diesem Roman etwa zwei Dutzend dieser Auswanderer auf ihrer Reise in ein neues Leben in Chile.

In mehreren Episoden schildert die junge österreichische Autorin deren anfängliche Erwartungen und Ängste und die beschwerliche Reise, erzählt von der erzwungenen Arbeit für einen Landsmann, der die Einwanderer gleich nach ihrer Ankunft ködert, und veranschaulicht schließlich den Aufbau einer Siedlung am Llanquihue-See. Zentrale Personen sind hier die lebhafte Elisa und der stille Cornelius, deren Liebesgeschichte auch nach Jahrzehnten unter keinem guten Stern zu stehen scheint. Den größten Teil der Geschichte bildet die Entstehung der Siedlung, die immense Entbehrungen für alle und einige Schicksalsschläge mit sich bringt.

Der Mikrokosmos am See ermöglicht es, verschiedene Charaktere näher kennen zu lernen. Die Begeisterung der Autorin für das Land ist dem Buch in seinen grandiosen Landschaftsbeschreibungen ebenso anzumerken wie auch ihr gut recherchiertes Wissen über die Geschichte. Obwohl es sich um eine fiktive Erzählung handelt, treten immer wieder reale Personen und Orte in Erscheinung.

Das Buch zeigt, dass es Migration immer und überall gegeben hat und dass das daraus resultierende Zusammenleben verlangt, aufeinander zuzugehen und voneinander zu lernen. Die Mapuche, die bereits zuvor in Chile lebten, finden sich in der Umgebung besser zurecht, wissen die vorhandenen Ressourcen zu nutzen. Zwei von ihnen treten hier als Brückenpersonen auf, wobei auch sie vom Wissen der Deutschen profitieren. Die meisten Siedler aber suchen wenig Kontakt zu Fremden, lernen erst in der zweiten Generation ein wenig Spanisch. Dieser nur sehr langsam fortschreitende Assimilationsprozess – der im Übrigen bis heute nicht abgeschlossen ist – wird selten hinterfragt. Vielmehr ist er aus dieser Perspektive recht verständlich, was dazu veranlassen sollte, noch einmal neu über Migration und Integration im Allgemeinen nachzudenken.

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