Im Südosten viel Neues

Von Redaktion ·

Freuen wir uns über Sevdah-Musik aus Bosnien, ein Ehepaar mit Violine und Akkordeon und das Jubiläum der Fanfare Ciocărlia.

In Bosnien und angrenzenden Ländern wird eine musikalische Tradition gepflegt, die als Sevdah oder Sevdalinka bekannt ist. Orientalisch und schwermütig klingt sie. Instrumentierte Liebeslyrik, die einst im Osmanischen Reich entstanden ist. Saz, Akkordeon, Violine, Tamburin und Gitarre werden oft eingesetzt. Die Wiener Tschuschenkapelle hat gemeinsam mit dem mittlerweile verstorbenen Jovica Petković 2006 ein dieser Musik gewidmetes Album mit dem Titel „Bosanske Sevdalinke“ veröffentlicht.

Einer der innovativsten heute aktiven Vertreter ist Damir Imamović aus Sarajevo, der mit seiner Gruppe Sevdah Takht auf dem neuen Album „Dvojka“ (Glitterbeat, Vertrieb: Hoanzl) eine virtuose und kraftvolle Variante dieser Musik entstehen lässt. Auch mit dem Einsatz perkussiver Instrumente finden sie einen zugleich authentischen wie modernen Zugang.

Gypsy-Musik mit Zirkusflair. In Serbien findet zwar alljährlich das berühmte Blasmusikfestival im westserbischen Guča statt, heuer vom 11. bis 13. August, aber freilich wird dort auch das Spiel auf der Violine gepflegt. Eine nicht ganz gewöhnliche Zusammenarbeit ist auf „Gypsy Lover“ (Riverboat, Vertrieb: Lotus) zu hören. Ein grandioses Zusammenspiel von Faith und Branko und damit von Akkordeon und Violine. Ein abwechslungsreiches Album mit einer guten Portion Gypsy-Jazz, gelegentlich mit Elektrobeats unterlegt. Aber nicht zu viel davon, gerade recht. Dahinter verbirgt sich eine nicht alltägliche, romantische Geschichte, haben sie sich doch auch privat gefunden und sind Eheleute. Sie ist Engländerin, er serbischer Rom. Eine frisch und neu klingende Musik, gerade auch wegen des Spiels der Akkordeonistin, die charmant eine englische Note mit Zirkusflair einbringt.

Vom kleinen Roma-Dorf in die weite Welt. Aus Zece Prăjini stammt die Roma-Blasmusikkapelle Fanfare Ciocărlia, die heuer ihr zwanzigjähriges Bestehen mit ausgiebigen Tourneen und einem neuen Album („Onwards To Mars!“, Asphalt Tango, Vertrieb: Lotus) feiert. Längst sind sie große Stars der Weltmusik. Alleine oder mit Kooperationen wie mit dem Boban & Marko Marković Orchestra, oder dem kanadischen Gypsy Jazz-Gitarristen Adrian Raso („Devil’s Tale“), mit dem sie aktuell gerade auf Tour waren und sind, füllen sie die großen renommierten Konzertsäle. Ihr buntes neues Werk bringt Neubearbeitungen traditioneller Stücke, Kompositionen des Multiinstrumentalisten Koby Israelite, eine Bläserbearbeitung des Klassikers „I Put A Spell On You“ von Screamin’ Jay Hawkins, sowie die Zusammenarbeit mit einer der gegenwärtig populärsten Cumbia-Bands Kolumbiens, Puerto Candelaria.

Werner Leiss ist Musikkritiker des Südwind-Magazins und Redakteur des „Concerto“, Österreichs Musikmagazin für Jazz, Blues und Worldmusic.

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