

Der Bericht kam über Umwege zu uns: Ein in Wien lebender Exil-Iraner* hat ihn aus einem öffentlich zugänglichen Telegram-Kanal vom Koordinierungsrat der Berufsverbände der Kulturschaffenden (Lehrer:innen) Irans übersetzt und an die Redaktion des Südwind-Magazins geschickt. Entstanden am 13. März in Teheran, zeichnet der Text ein Bild einer Bevölkerung, die in Not, Angst und Schutzlosigkeit lebt.
Seit zehn Tagen ist Teheran – jene Stadt, die sonst niemals schläft – in eine beunruhigende Stille versunken. Nie zuvor waren die Straßen derart leer, die Rollläden der Geschäfte sind heruntergelassen. Das Leben hat seinen Gang eingestellt und das Rad der Wirtschaft dreht sich hier nicht mehr; die einzige Sorge der Menschen ist den Tag zu überleben.
In dieser Zeit, in der die verängstigten Menschen mehr als alles andere Sicherheit und Schutz brauchen, hat die Stadt ein fremdartig militärisches Gesicht bekommen. Auf den großen Plätzen und an wichtigen Kreuzungen stehen Fahrzeuge der Sicherheitskräfte, überall ragen die schweren Läufe der Maschinengewehre in die Luft.
Zahlreiche Kontrollpunkte in der gesamten Provinz werfen schwere Schatten der Angst über die wenigen Menschen, die sich auf die Straße trauen. Müdigkeit und Sorgen stehen ihnen ins Gesicht geschrieben. Es scheint, als müsse man sich, mehr noch als in den Himmel zu kommen, davor fürchten sich auf die Straßen der eigenen Stadt zu begeben.
Stiller Kampf um Essen
In diesen angespannten Tagen gibt es auch andere, stille Kriegsschauplätze; in jedem Heim leere Esstische. Seit 28. Februar sind die Preise selbst für die einfachsten Dinge zum Überleben – etwa Eier und Kartoffeln – auf das Zwei- bis Dreifache gestiegen. Das Ausmaß des Leides jener, die mitten in der Angst des Krieges nicht einmal eine einfache Mahlzeit für ihre Familie kaufen können, steht jenem der Trümmerfelder, die die Bomben anrichten kaum nach. In den ersten Tagen, in denen sie wüteten, kam es zu langen Schlangen an Tankstellen und vor Bäckereien.
Doch es sind die Nächte, die noch grausamer sind. Die anhaltenden Angriffe und die Nachrichten über getötete Familienmitglieder, Bekannte, Freund:innen, Mitbürger:innen, haben Schlaf und Ruhe aus den Augen der Stadt vertrieben. Am schwersten drückt diese Last auf die Psyche der Kinder. Bei jedem lauten Geräusch zucken sie zusammen. Sie flüchten sich in die zitternde Umarmung ihrer Eltern.
Schutzlos ausgeliefert
Die noch größere Tragödie ist unsere völlige Schutzlosigkeit: Es gibt keine Sirenen, die uns rechtzeitig vor Gefahr warnen und wir haben auch keine Schutzräume, um unsere Kinder in Sicherheit zu bringen. Die Bürger:innen Teherans sind wehrlos und auf sich selbst gestellt. Wir warten lediglich auf das, was unser Schicksal ist.
Am bittersten ist der Anblick jener Gruppen, die die Regierung unterstützen. Angeblich im Rahmen von Trauerzeremonien marschieren sie durch die Straßen, lautstark schmettern sie Parolen. In diesen Tagen, in denen die Psyche der Gesellschaft durch Angst vor Bombardierungen und Tod zerrüttet ist, säen diese Demonstrationen ein tiefes Gefühl von Unsicherheit und Entfremdung unter den Bürger:innen. Es ist, als wären wir in unserem eigenen Zuhause die einsamsten und schutzlosesten Menschen auf der Erde.
*Name der Redaktion bekannt
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