Information macht stark

Im Vorfeld des UN-Weltgipfels zur Informationsgesellschaft (WSIS) treten Frauengruppen für eine geschlechtersensible und nachhaltige Informations- und Technologiepolitik ein.

Von Christina Buder
Das Model schreitet grazil über den Laufsteg. Auf seinem Kleid funkeln nicht Diamanten, sondern eine Fülle von CD-Roms. Diese Kreation für die modische Frau im Zeitalter des Cyberspace stammt von der senegalesischen Modeschöpferin Oumou Sy und verweist auf deren Engagement im Bereich der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKTs). Die ehemalige Analphabetin gründete 1996 Metissacana, das erste Internetcafé Westafrikas (siehe auch SWM 7-8/2003, Seite 28). Sie betreibt einen Provider und organisiert darüber hinaus auch Internetschulungen für Landfrauen oder unterstützt Basisgesundheitszentren mit Computern. Oumou Sy ist eine der wenigen Frauen in Entwicklungsländern, die eine Vorbildfunktion in diesem männerdominierten Bereich übernehmen und vor allem jüngere Frauen anspornen, sich ebenfalls mit IKTs zu beschäftigen.

Die siebzigjährige Anastasia aus Nagaseke in Uganda ist Analphabetin und dennoch sitzt sie im Telecenter vor dem Computer. Die internationale Entwicklungszusammenarbeit erwartet sich viel von dieser Informationsstelle, die der ländlichen Bevölkerung Zugang zu IKTs eröffnen soll. Die Nutzung des Internet als Bildungsquelle und als Kommunikationsmittel für kulturelle und politische Partizipation ist sonst der urbanen Elite vorbehalten, für ländliche Frauen ist der Zugang zur Entwicklungsressource Information steinig: Sie sprechen kein Englisch, sie haben keine Zeit zum Surfen oder ihnen fehlt schlicht das Geld, um E-Mails zu versenden; außerdem gilt der Besuch eines Internetcafés für viele als unschicklich.
Das International Women’s Tribune Center, ein internationales Frauennetzwerk, entwickelte für und mit den Frauen in Nagaseke die CD-Rom „Rural Women in Africa: Ideas for Earning Money“, die die Frauen in ihrer Sprache Luganda und mit vielen Piktogrammen anleitet, wie sie etwa die Kompostierung verbessern, ihre Haustierzucht erfolgreicher betreiben oder ihre Anbaumethoden ertragreicher gestalten können. Das begleitende Programm für Multiplikatorinnen war so erfolgreich, dass Anastasia ihren Hühnerbestand verdoppeln konnte und nun selbst Frauen im ganzen Bezirk über die Möglichkeiten, ihr Einkommen zu verbessern und damit die Lebensqualität zu steigern, informiert.

Aufbauend auf den Strukturen von Frauengruppen der Kleinkreditprogramme der Grameen Bank wurde 1996 in Bangladesch die NGO Grameen Telecom gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, dass niemand weiter als zwei Kilometer zum nächste Telefon gehen muss. Das mit Kredit erworbene Handy ist die Basis, mit der zum Beispiel Jamirun Nesa als „Phone Lady“ zur selbständigen Dienstleisterin in der Kommunikationsbranche wird. Um einige Cents kann man bei ihr die aktuellen Preise am nächsten Markt eruieren oder die Tochter im Ausland schön grüßen lassen.
Information und Kommunikation unterstützen Frauen bei der Entfaltung ihrer ökonomischen, sozialen, kulturellen und politischen Potenziale. Neben den traditionellen Medien wie Straßentheater, Video und besonders dem Radio, spielen IKTs vor allem in Ländern des Südens eine immer größere Rolle. Damit das Menschenrecht auf Information auch für Frauen umgesetzt wird, kämpfen internationale Frauennetzwerke schon im Vorfeld des im Dezember in Genf stattfindenden UN-Weltgipfels zur Informationsgesellschaft (WSIS) für eine geschlechtersensible und nachhaltige Informations- und Technologiepolitik. In Österreich ist der WSIS noch kein Thema. NGO-VertreterInnen hoffen, dass sich dies ändern wird.

Christina Buder arbeitet als Bibliothekarin in der Frauensolidarität in Wien.

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