„Innehalten und genau Hinschauen“

Angelika Schuster und Tristan Sindelgruber sprechen über ihren neuen Dokumentarfilm „Operation Spring“, der kürzlich in den österreichischen Kinos angelaufen ist.

Von MaK
Südwind: War es schwierig, in den Gerichten und Haftanstalten an Informationen und Interviewpartner heranzukommen?
Schuster:
Es hat uns niemand Steine in den Weg gelegt. Wir sind immer wieder auf Leute gestoßen, auch in höheren Positionen in der Justiz, die gesagt haben: Gut, dass ihr diesen Film macht. Ich wünsche euch alles Gute, der muss gelingen. Aber ich möchte nicht darin vorkommen. Einige Beamte haben abseits der Kamera sehr offen mit uns geredet.

Warum kommen im Film keine Vertreter der Polizeieinheit zu Wort, die den großen Lauschangriff durchgeführt hat?
Sindelgruber:
Wir wollten nur mit Leuten reden, die direkt mit der Operation Spring in Verbindung stehen. Da hätte es sich natürlich aufgedrängt, mit Mitarbeitern dieser Sondereinheit Observation zu sprechen. Wir haben versucht, einen Kontakt über die Pressestelle der Bundespolizeidirektion Wien herzustellen. Die teilte uns mit, das wollen, können, dürfen sie nicht. Wir haben Vertreter der Sondereinheit dann immer wieder bei Gericht getroffen und persönlich angesprochen. Da hieß es auch: „Nein, ganz sicher nicht.“ Mit dem Zusatz: Und wenn nur eine Fußspitze von uns im Film zu sehen ist, dann haben Sie ein Problem. Ich kann es nachvollziehen, dass eine solche Unterorganisation der Polizei nicht gern in der Öffentlichkeit steht. Das Problem ist aber, wie kann man gesellschaftlich einen Diskurs über ihre Arbeit führen, wenn kein Gespräch stattfinden kann.

Der Film hinterlässt einen starken Eindruck davon, wie haltlos die Verurteilungen auf Basis der Ermittlungsergebnisse sind.
Schuster:
Es scheint, als ob die Operation Spring zum Erfolg verdammt war. Der große Lauschangriff war eine neue Ermittlungsmaßnahme, die vielleicht übereilt durchgeführt worden ist. Dabei sind viele Fehler passiert. Es entsteht der Eindruck, dass alle Stellen mit diesen neuen Methoden überfordert waren.
Sindelgruber: In der Politik gilt dieser erste große Lauschangriff nach wie vor als Erfolg. Die Operation Spring wurde als positives Beispiel angeführt, als es im Parlament darum ging, das Gesetz zur Durchführung von Lauschangriffen unbefristet zu verlängern.

War es Zufall oder Absicht, dass der erste große Lauschangriff gegen Afrikaner in Österreich eingesetzt wurde?
Sindelgruber:
Unterstellen möchte ich nichts, aber ich würde zumindest sagen, es kam nicht ungelegen. Denn wäre es eine Gruppe der Gesellschaft gewesen, die sich wehren und öffentlich artikulieren kann und über eine Lobby verfügt, wäre der Widerstand wahrscheinlich größer gewesen.

Ihre Erwartungen von dem Film?
Schuster:
Zum ersten Mal wird der Gesamtkomplex Operation Spring als Thema kompakt und konzentriert vermittelt. Was wir machen: Wir nehmen ein Beispiel heraus aus dem tagespolitischen Geschehen und untersuchen es. Es ist quasi ein Innehalten und genau Hinschauen. Ich erwarte mir, dass Politik, Justiz und die Zivilgesellschaft sich dazu äußern. Das muss neu aufgerollt werden, und zwar von unabhängigen Stellen.

Der Film läuft im Wiener Stadtkino und Grazer Augartenkino.

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