Interview P. Arlacchi ( 9/99)

Von Peter Stirnimann ·

Halb- und Unwahrheiten

Ich möchte auf einige Punkte in Arlacchis Sammlung aus Halb- und Unwahrheiten eingehen. Arlacchi sagt, daß die Frage der Drogenkontrolle „unkontroversiell“ sei.
Die Diskussion läuft überall sehr hitzig ab, von unkontroversiell kann nicht
die Rede sein. Daß Arlacchis UN-Drogenabteilung alles daran setzt, die
bestehenden Diskussionen im Keime zu ersticken, zeigte der UN-Drogengipfel
1998. Er wurde von Mexiko angeregt, um die Drogenkontrollstrategie einer
kritischen Evalution zu unterziehen. Dies wurde unterdrückt, Mexiko als
Vorsitznation des Gipfels kurzerhand ausgewechselt und die Expertenevaluation unter den Tisch gewischt. Die aktive Beteiligung von
Nichtegierungsorganisationen am Gipfel schaltete man aus. 450 hochrangige
Persönlichkeiten (UNO-Generalsekretär a.D. Perez de Cuellar, George Shultz,
Adolfo Perez Esquivel u.a.) veröffentlichten ein Manifest, worin sie eine
„offene und ehrliche Evalution“ der Drogenstrategien der UNO verlangten,
denn „der globale Drogenkrieg richte mehr Schaden an als die Drogen selber“.
Der Gipfel aber bekräftigte den Willen zur drogenfreien Welt.
„Unrealistische Versprechen und dubiose Programme“ habe der Gipfel
abgesegnet, kommentierte darauf die New York Times.
Die unrealistischen Versprechen basieren auf Programmen, die nach Arlacchi
sehr gut laufen sollen. Bei einem Gespräch mit dem zuständigen
UNO-Drogenkontrollbüro in Bogotá baten wir um Evalutionsberichte zu den
kolumbianischen UN-Projekten. „Solche Berichte existieren nicht“, war der
Kommentar. Ob sie nicht existieren, wissen wir nicht, vielleicht aber sind
sie unvorteilhaft.
Die betroffenen Bauern im andinen Raum jedenfalls stellen
immer wieder fest: alles gescheitert. Arlacchis Strategie ist auf Sand
gebaut. Als 1988 die Wiener Drogenkonvention verabschiedet wurde, trat man
zum Endkampf gegen das Übel von 20 bis 50 Millionen geschätzten
Drogenkonsumenten an, 1998 waren es schon 190 Millionen. Wie viele werden es wohl 2008 sein, wenn Arlacchi seine drogenfreie Welt geschaffen hat?
Der Frage der Menschenrechtsverletzungen weicht Arlacchi aus. Er weiß, daß sein Drogenkrieg Menschenrechtsverletzungen mit sich gebracht hat und noch
bringen wird. Der chemische Krieg mit Pestiziden gegen Kokafelder in
Kolumbien trifft nicht nur die Kokastauden! Im ersten internen Papier für
seinen Drogenkriegsplan SCOPE (Strategie zur Eliminierung von Koka und Mohn) wird explizit darauf hingewiesen, daß dieser Plan
Menschenrechtsverletzungen mit sich bringen wird. Dies nimmt man in Kauf,
denn der Drogenkrieg dient einem höheren Ziel: der Schaffung der drogenfreien
Welt. Zynismus pur!

Peter Stirnimann
Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien, Basel

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