Irakischer Alltag

Von Irmgard Kirchner
Leere Straßen in der Hauptstadt: Es mangelt an Sicherheit und an Treibstoff.

Der Irak taucht in den heimischen Medien hauptsächlich dann auf, wenn es sich um ein besonders grausames Attentat mit hoher Opferzahl handelt. Seit der Invasion im Jahre 2003 sind schätzungsweise eine Million Menschen durch Gewalt ums Leben gekommen. Der einst säkuläre Staat wird zerrissen von religiösem Sektierertum. Alle Kennziffern sozialer Entwicklung haben sich dramatisch verschlechtert. Frauen, religiöse Minderheiten und Homosexuelle sind heftiger Repression ausgesetzt. Und die Sicherheitslage macht es JournalistInnen fast unmöglich, sich im Land zu bewegen und über jenen Themenbereich zu recherchieren, der für die Südwind-Leserschaft so wichtig ist: das Alltagsleben der Menschen. Umso bemerkenswerter sind die Berichte auf den folgenden „Thema“-Seiten, die wir von unserer Partnerzeitschrift New Internationalist übernommen haben. Die New Internationalist-Redakteurin und profunde Irak-Kennerin Hadani Ditmars besuchte das Land, „das sich bis zur Unkenntlichkeit verändert hat“, nach sieben Jahren wieder. 2003 hatte sie für ihr Irak-Buch recherchiert und dies noch in ihrem Stil tun können – „von Märkten, Kirchen, Moscheen und Theatern, aus Privatwohnungen und Stadtvierteln“.

2010 waren ihre Lieblingshotels in die Luft gesprengt. Die Journalistin wurde in „eingezäuntem und bewachtem Gelände“ untergebracht, „hermetisch abgeriegelt von den Irakis“. Trotz ständiger Gefahr hat sie Gespräche mit ganz normalen Menschen geführt, mit Künstlern und Intellektuellen, Männern und Frauen, und zeigt ihre kreativen Überlebensstrategien und ihre Stärke. Die Reportagen spiegeln ihre Entstehungsbedingungen, was sie einzigartig und authentisch macht. Vorhaben müssen abgeblasen, Gespräche vorzeitig beendet werden. Beim Lesen spürt man die ständige Gefahr, die von „Entführern, Banden, Milizen, der irakischen Polizei und verschiedenen anderen Schreckensgestalten“ ausgeht.

Für den im Irak unbekannten New Internationalist zu arbeiten, brachte den Vorteil, weniger Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Und den Nachteil von Belästigungen durch die irakische Polizei, wie sie einheimische JournalistInnen erfahren. Diese Kriegsberichterstattung der anderen Art zeigt, was mit den Menschen passiert, wenn Gewalt zum Mittel der Politik wird.

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