Irene Freudenschuss-Reichl: Zukunftsfähig leben

Spiritualität und Praxis der Nachhaltigkeit

Von WeH
Hg. von der Katholischen Sozialakademie Österreichs. Wien 2005, 116 Seiten, EUR9,80

Die Leiterin der Sektion Entwicklungszusammenarbeit im österreichischen Außenministerium, die vorher bei der UNO tätig war, hält in diesem Buch ein Plädoyer gegen die zerstörerische Ausbeutung der Erde im Dienste wirtschaftlicher Interessen und skizziert die Vergehen gegen die Nachhaltigkeit, also gegen die Lebenschancen künftiger Generationen. Zu Recht betont sie, dass Nachhaltigkeit nur dann gesichert ist, wenn die soziale, wirtschaftliche und ökologische Dimension gleiche Berechtigung genießen. Dass auf dieser Ebene in der Gegenwart eine extreme Ungleichheit herrscht, wird wohl niemand verneinen können, der offenen Auges die Zeitgeschichte miterlebt.
Die Bestandsaufnahme der Autorin stimmt, doch der nächste Schritt wird m.E. nicht konsequent weitergegangen. Wäre es nicht zielführender, die Auswirkungen der Politik des Internationalen Währungsfonds auf die so genannte Dritte Welt zu untersuchen, als die rührend schönen Worte des früheren IWF-Direktors Horst Köhler zu loben? Wiederum zu Recht wird auf die ethische Verantwortung gläubiger Menschen hingewiesen, die Nachhaltigkeit auch als eine Frage der Gerechtigkeit zu erkennen. Aber wo verstecken bloß jene christlichen Politiker, die die Handels- und Wirtschaftspolitik der EU – und auch in unserem Lande – entscheidend bestimmen, ihre christlich-sozialen Grundsätze? Nimmt jemand von ihnen das „Sozialwort“ des Ökumenischen Rats der Kirchen ernst? (www.sozialwort.at)
Interessant der Teil über Arbeit und Muße – ein Thema, das sonst in der entwicklungspolitischen Diskussion und der Nachhaltigkeitsdebatte keine Rolle spielt. Eine gesamtgesellschaftlich und weltweit gerechtere Verteilung der Arbeit hätte schließlich entscheidende Auswirkungen auf die Zukunft der Einen Welt.
Viele Aufzählungen und zu viel Zitieren fremder Stimmen in diesem Buch vertragen sich mit spiritueller Reflexion nicht recht, oder es enttäuscht zumindest die Erwartungen. Vielleicht wäre es besser gewesen, die hier zitierte Aussage des Dalai Lama, dass die Krise wohl nicht durch eine marginale Änderung der herrschenden Praktiken zu beseitigen sein werde, sondern dass die Wachstumsideologie als solche in Frage gestellt werden müsse, an den Buchanfang zu setzen und von dieser Einsicht ausgehend die Reflexionen anzustellen.
Zu bestellen über die KSÖ, Tel. (01)310 51 59-0, www.ksoe.at/index-aktuelles-nachhaltig.htm

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