Isabel Hilton: Die Suche nach dem Panchen Lama

Von Daniela Luschin ·

Auf den Spuren eines verschwundenen Kindes. Übers. von Sigrid Langhäuser. Beck Verlag, München 2002, 413 Seiten, € 23,60

Die Journalistin Isabel Hilton macht sich auf die Suche nach dem Jungen, der vom Dalai Lama als elfte Reinkarnation des Panchen Lama, einer der wichtigsten religiösen Persönlichkeiten Tibets, anerkannt wurde. Im Mai 1995 wurde dieser von der chinesischen Geheimpolizei an einen bis heute unbekannten Ort verschleppt.
In ihrem Buch gibt die international renommierte China-Kennerin Hilton einen ungewohnt guten Einblick in die Geschichte, Politik und Religion Tibets.
Mit einer bunten und fesselnden Sprache hat sie einen wahren Polit-Thriller geschaffen, in dem sie das ständige Ringen Tibets um die Bewahrung der Selbstbestimmung gegenüber fremden Mächten von damals und heute schildert. Hilton geht insbesondere auf die politische und religiöse Bedeutung von Wiedergeburten ein und zeigt die gegenwärtige Instrumentalisierung derselben durch die chinesische Regierung auf. Sie schildert ihre Recherche-Arbeit, die sie nach China, Tibet und Indien, insbesondere ins tibetische Exil, führte und gibt ein tristes Bild über ehemals prunkvolle tibetische Städte, die heute mit dem „Karaoke-Kitsch“ chinesischer Bauwerke durchsetzt sind.
Bemerkenswert ihre Darstellung der agierenden Personen, wie des Dalai Lama, mit dem sie mehrere Gespräche führte, des Staatsorakels (einer Person, die als Medium fungiert und dem Dalai Lama bei wichtigen Entscheidungen hilft), und von Mönchen, die für Schwarzenegger-Filme und „Pretty Woman“ schwärmen.
Es gibt unzählige Bücher über Tibet; die wenigsten davon sind jedoch empfehlenswert. Während die einen Tibet mythologisieren und negative Seiten verleugnen, zeichnen andere ein Teufelsbild, das vielfach chinesischen Propagandaschriften entsprungen sein könnte. Hilton hingegen hat es geschafft, einen ausgewogenen Bericht darzulegen. Sie tappt nicht wie viele andere AutorInnen in die Falle der Mythologisierung Tibets als seit jeher friedliches und harmonisches Land. Gleichzeitig verurteilt sie aber die Menschenrechtsverletzungen und die Zerstörung der tibetischen Kultur durch die chinesische Regierung.

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