John D. Fage / Roland Oliver: Kurze Geschichte Afrikas

Edition Trickster im Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2002, 391 Seiten, € 28,70

Von Gerhard Pfeisinger
Die Autoren der kurzen Geschichte Afrikas zählen gewiss zu den Pionieren der europäischen Afrika-Historiographie; sie besetzten in den frühen 60er Jahren die ersten Lehrstühle für Afrikanische Geschichte und gaben 20 Jahre später die renommierte achtbändige „Cambridge History of Africa“ heraus. Das vorliegende Buch geht auf eine Publikation aus dem Jahre 1961 zurück, in der sie – wie auch später der bekanntere Basil Davidson – darauf Wert legten, Afrika in seiner Gesamtheit zu beschreiben und gegen die koloniale Konstruktion des „dunklen“, will heißen rückständigen und geschichtslosen Kontinents anzutreten.
Die Stärke dieser auf rund 320 Seiten gerafften Darstellung der Geschichte Afrikas von den Vormenschen bis zu den Problemen der afrikanischen Gesellschaften am Beginn des 21. Jahrhunderts liegt in der Allgemeinverständlichkeit, die sich durch eine klare Sprache und eine nachvollziehbare inhaltliche Gliederung auszeichnet. Für eine Einstiegslektüre durchaus geeignet, wesentlich Neues wird allerdings nicht geboten.
Die Autoren verlassen sich auf gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse und einen nüchternen, zurückhaltenden Stil. Sie fühlen sich einer konventionellen Geschichtsschreibung verpflichtet, die sich vor allem an historisch-politischen Vorgängen, Ereignissen und Personen orientiert und nicht an sozio-ökonomischen Strukturen oder gesellschaftlichen Problemfeldern interessiert ist. Möglicherweise wäre das eine Überforderung ihres Ansatzes gewesen, aber bedauerlicherweise fehlen gerade dort wichtige Hintergrundinformationen, wo eine Erhellung der Zusammenhänge die Bedeutung der Geschichte für die komplexen Probleme der afrikanischen Gesellschaften deutlich hätte machen können. Das letzte, für die deutsche Ausgabe neu geschriebene Kapitel über die letzten Jahre des 20. Jahrhunderts beschränkt sich auf die Darstellung der „Krisenherde“ von Sudan bis Liberia und auf Hinweise zum Bevölkerungswachstum, zur Verbreitung von AIDS und zur Urbanisierung.

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