Jorge Franco: Rosario Tijeras

Von WeH ·

Aus dem kolumbian. Spanisch von Susanna Mende. Unionsverlag,
Zürich 2002, 189 Seiten, € 14,80

Die junge kolumbianische Literatur hat es in einer Hinsicht einfach: Die AutorInnen brauchen keine besondere Phantasie aufbringen, um eine Handlung zu erfinden, sie brauchen auch nicht den magischen Realismus von Vater García Márquez bemühen – die Realität in dem Land ist derart phantastisch (leider vorwiegend in einem negativen Sinn) und makaber, dass der Romanstoff geradezu auf der Straße liegt. In Medellín zum Beispiel. Die Gewalttätigkeit in den Straßen der nordkolumbianischen Metropole hat bereits ein eigenes literarisches Genre hervorgebracht.
„Rosario Tijeras“ ist die Geschichte einer weiblichen Killerin, einer schillernden, attraktiven, unnahbaren jungen Frau. Ihr Name geht darauf zurück, dass sie ihrem Vergewaltiger einige Zeit später, als dieser sich nicht mehr erinnern konnte an sie, mit einer Schere (tijeras) die Hoden abgeschnitten hat.
Jorge Franco, 1962 in Medellín geboren, lässt vor den LeserInnen eine faszinierende Persönlichkeit entstehen – so weit man eine Mörderin, die im Auftrag der Drogenmafia ihre tödlichen Aufträge präzise erfüllt, überhaupt als faszinierend bezeichnen kann. Der Autor spart wohl nicht mit Hinweisen darauf, wie Rosario in diese Rolle geraten konnte – die Kindheit, die Gewalttätigkeit und –bereitschaft der Umgebung –, ohne jedoch daraus eine Gesellschaftskritik zu konstruieren. Man könnte vielleicht kritisieren, dass er die Protagonistin zu einer Heldin stilisiert, zu einer schönen, verführerischen Diva, der alle Männer zu Füßen liegen (tatsächlich – es konnte nicht ausbleiben – wird der Roman nun verfilmt), doch bleibt Franco immer auf dem Boden des Alltags. Eines mörderischen, brutalen Alltags, den er mit der Kühle eines unbeteiligten Beobachters nachzeichnet.
Mit über 300.000 verkauften Exemplaren wurde diese mitreißende Geschichte zu einem der erfolgreichsten Romane Kolumbiens in den letzten Jahrzehnten.

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