Jorge Isaacs: María

Berichte aus dem Inneren eines Kontinents

Von WeH
Aus dem kolumbian. Spanisch von
Àlvaro López Quijano. Verlag Sonrrie, Norderstedt 2003, 230 Seiten, EUR 14,80

Was vor mehr als einem Jahrhundert ein Welterfolg war, in unzähligen Auflagen in zahlreichen Ländern verbreitet, war im deutschsprachigen Raum bisher völlig unbekannt: Der Roman „María“ des kolumbianischen Schriftstellers Jorge Isaacs. Ein ganzes Jahrhundert lang war „María“ der meistgekaufte Roman in Lateinamerika, eroberte Spanien, Frankreich, den gesamten englischsprachigen Raum und viele weitere Länder. Erstaunlich und lobenswert, wenn sich nun, etwa 160 Jahre nach Erscheinen des Buches, ein kleiner deutscher Verlag erstmals über eine deutsche Edition des einstigen Welterfolgs traut.
Der Autor, geboren 1837 in Cali, Kolumbien, lässt einen gewissen Efraín, der starke autobiographische Züge trägt, die Geschichte seiner tragischen Liebe zu María erzählen - im Roman die Stieftochter seiner Eltern, im wirklichen Leben vielleicht, wahrscheinlich die Kusine des Autors. Doch der Vater Efraíns schickt den Gutsbesitzer-Sohn zum Studium nach Europa - um diese Liebe auf die Probe zu stellen oder, auch möglich, um sie zu verhindern.
Abgesehen von der äußerst feinfühligen, einfühlsamen Beschreibung dieser Liebe ist der Roman ein Meisterwerk der literarischen Landschafts- und Menschendarstellung. Die Natur des Cauca-Tals, die Wälder und Täler, die Tierwelt und die Flora sind mit fotografischer Genauigkeit und sehr bildhaft nachgezeichnet, ohne je in schwülstiges Pathos zu verfallen. Ebenso klar und realistisch ist das Leben auf der Hacienda beschrieben, die einzelnen Figuren, die zwischenmenschlichen Beziehungen in einem patriarchalen Gefüge, in dem noch die Kolonialzeit mit der Sklaverei stark nachwirkt.
Ein sehr interessantes, lesenswertes Buch - und über ein paar Tränen brauchen Mann oder Frau sich nicht zu schämen...

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