Judith Huber: Risse im Patriarchat

Frauen in Afghanistan

Von Friedrich Ofner
Rotpunktverlag, Zürich 2003. 248 Seiten, 49 Fotos von Valeri Nistratov, EUR 21,-

Afghanistan-Berichte und -Bücher haben spätestens seit dem 11.09.2001 Hochkonjuktur. Das Land am Hindukusch fasziniert durch seine archaische Kultur und seine bewegte Geschichte. Der Großteil der Afghanistan- Berichterstattung vermochte jedoch nicht in die kulturelle Tiefe des Landes einzutauchen, sondern begnügte sich mit der Reproduktion hinlänglich bekannter Klischees: Islamischer Fundamentalismus, Unterdrückung der Frauen, Drogenproduktion.
Das vorliegende Werk von Judith Huber unternimmt den Versuch, die jüngere Geschichte Afghanistans anhand von drei Frauenschicksalen zu erzählen. Zwei der Porträtierten, Simi Samar und Suraya Parlika, engagierten sich bereits unter dem prosowjetischen Regime für die Rechte der afghanischen Frauen und erlangten unter der Regierung Karsai höchste Staatsämter. Ihre Erzählungen geben einen Einblick in die tief greifenden Umwälzungen der afghanischen Gesellschaft, besonders in Bezug auf die Rolle der Frau.
Die Lebensgeschichten der drei Protagonistinnen sind spannend erzählt und verdeutlichen die Probleme von afghanischen Frauen, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Allerdings wird sich Huber ihrer Rolle als Beobachterin in einem fremden Land nicht gewahr und unternimmt auch nur wenige Versuche, zu einem tieferen Verständnis der afghanischen Kultur zu gelangen. Ein dennoch mit Abstrichen informatives und empfehlenswertes Buch.

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