Kampf gegen das „Best-of-Böse“

Von lym · · 2002/12

Fünf Organistationen sagen dem Ölmulti Esso den Kampf an.

Es gibt wohl kaum einen Erdölkonzern, der nachhaltig agiert und nicht in irgendeiner Art Menschenrechte verletzt“, sagt Klaus Werner, der Autor von „Schwarzbuch Markenfirmen“ bei einer Pressekonferenz in Wien, „doch Esso (ExxonMobil) ist sowas wie das Best-of-Böse“. Warum gerade Esso? „Was Esso auszeichnet, ist seine Verquickung von Konzern- und offizieller Politik“, nennt Klaus Werner einen Grund, warum gerade gegen Esso und nicht gegen andere Erdölkonzerne mobil gemacht wird. Esso habe mit über einer Million Dollar den Wahlkampf von US-Präsident George Bush gesponsert. Bush habe daraufhin auf Wunsch der Öllobby entschieden, das Kyoto-Protokoll nicht zu unterzeichnen und keine Klimaschutzmaßnahmen zu unterstützen. „Esso leugnet in der Öffentlichkeit den Klimawandel und streitet den Zusammenhang zwischen Treibhauseffekt und Erdölwirtschaft ab. Und der Erdölmulti investiert Null Cent in erneuerbare Energien“, sagt Bernhard Drumel, Geschäftsführer von Greenpeace Österreich.

Im Kampf gegen den Einfluss des Ölkonzerns haben sich auf Initiative von Greenpeace fünf Organisationen zusammengeschlossen, nämlich die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH), amnesty international (ai), ATTAC, Südwind Entwicklungspolitik und eben Greenpeace. Gemeinsam betreiben sie die Kampagne „Stop Esso“. „Als Einzelkämpfer oder Einzelkämpferin ist man nicht in der Lage, das breite Sündenregister von Esso aufzuzeigen“, sagt ÖH-Vorsitzende Anita Weinberger.
Nach dem Motto „campaign together – win together“ wird ein gemeinsames Ziel, nämlich das Einhalten von Umwelt- und Menschenrechtsstandards, verfolgt. Dabei müsse man sich nicht nur „auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen“, sondern „jede Organisation behält ihr Profil“, erklärt Heinz Patzelt, Generalsekretär von ai. Unterschiedliche Schwerpunkte werden gesetzt. So sei ai nicht „wirtschaftsfeindlich“ eingestellt. „Wir fordern die Unternehmen auf, Verantwortung zu übernehmen und die Menschenrechte einzuhalten“, so Patzelt. „Boykotte sind nicht unser Thema“, sagt der ai-Generalsekretär.
ATTAC hingegen fordert den Rückzug aller Erdölkonzerne aus sensiblen Regionen, die Besteuerung fossiler Brennstoffe und verbindliche Umstiegsszenarien für Erdölmultis auf erneuerbare Energien. Südwind Entwicklungspolitik fordert, dass Erdöl künftig nicht mehr auf Kosten der Armen produziert wird. „Beispiele in Indonesien, Kamerun, Angola und im Tschad zeigen, dass Esso mit den jeweiligen Militärapparaten kooperiert und dabei offensichtlich wissentlich in Kauf nimmt, dass die Zivilbevölkerung verfolgt, ermordet und vertrieben wird“, sagt Südwind Agentur-Geschäftsführer Helmut Adam.

„Stop Esso“ ist eine internationale Kampagne, die auch in den USA, Kanada, Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Luxenburg läuft. Die Kampagne zeigt auch eine erste Wirkung. So wertete die Deutsche Bank in einer Analyse für ihre Fondsmanager die vor allem in Großbritannien erfolgreichen Boykott-Aufrufe gegen Esso als ernstes „Risiko für die Marke“.

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