„Ke Nako soll weiterleben“

Alexis Nshimyimana Neuberg, Leiter von Radio Afrika-TV und Obmann der Afrika Vernetzungplattform (AVP), im Gespräch mit Südwind-Redakteurin Irmgard Kirchner über aktuelle Herausforderungen, Selbstkritik und die Zukunft.

Südwind: Was ist die im Vorjahr gegründete Afrika Vernetzungsplattform in ihrem Wesen?
Alexis Neuberg:
Die Eine Allianz zwischen Communities, die jetzt in diesem Land etwas gemeinsam bewältigen wollen. Im Gegensatz zu früheren Versuchen, einen Dachverband zu gründen, hat die AVP keinen Anspruch, dass alle vertreten sind. Es sind diejenigen dabei, die jetzt zusammenarbeiten können. Es ist sehr wichtig, dass wir unsere Kräfte sammeln, die Erfahrungen und das Know-how der einzelnen Organisationen bündeln. Gemeinsam sind wir und unsere Interessen besser sichtbar und unser großes Potenzial stärker spürbar.

Gibt es Gegner dieser Vernetzung?
Es gibt einige, die skeptisch sind. Das, was jetzt geboten wird, unterscheidet sich von allem Bisherigen, was versucht wurde. Es ist eine Frage des Tempos. Manche Organisationen brauchen mehr Zeit, manche sind nicht sehr stark und daher nur schwer für ein langfristiges Ziel zu mobilisieren. Wir überzeugen durch unsere Aktionen zum Mitmachen. Ke Nako ist ein großartiges und gut sichtbares Programm. Es wirkt wie Zement in einem Gebäude.
Wenn wir dieses Projekt gemeinsam schaffen, haben wir einen starken Kern von Vereinen, die zusammenarbeiten können. Und wer dazukommen will, ist immer willkommen

Was sind die größten Herausforderungen für die AVP?
Es gibt viele Einheimische, die die Gründung der AVP nicht begrüßen. Wir müssen sie davon überzeugen, dass die AVP notwendig ist. Diese Einstellung ist nicht nur unter Rassisten zu finden, sondern auch bei den so genannten Freunden von Afrikanern. Besonderes bei jenen, die die AVP als Konkurrenz betrachten. Und dann die Diversität der Communities selbst. Alle auf eine Linie zu bringen, wird schwer sein. Das war immer das Problem, als wir uns als eine Community bezeichnet haben. Die Unterschiede haben wir nicht berücksichtigt. Wir kennen einander noch nicht.
Wir alle sehen uns Diskriminierung und Rassismus gegenüber, also kämpfen wir dagegen, jeder, wie er kann. Aber wir haben noch nicht reflektiert, was wir können und was nicht. Warum sind wir nicht in den guten oder in den sichtbaren Positionen? Warum haben wir es nicht geschafft, Leute in die Politik zu schicken? Das kann nicht alleine der Fehler der Empfangsgesellschaft sein. Wir tun uns mit innerer Kritik schwer. Nach dem Motto, wenn ich die Community kritisiere, stelle ich mich auf die Seite der Leute, die uns diskriminieren.
Es ist an der Zeit darüber nachzudenken, was wir selbst nicht gut machen bzw. unsere Arbeitsmethoden und Strategien zu hinterfragen.

Und was machen die Communities nicht gut?
Auf Grund des ständigen Überlebenskampfes vertrauen wir einander fast nie. Wenn jemand Erfolg hat, muss etwas faul sein, anstatt zu applaudieren und zu sagen: wir stehen hinter der Person.
Es gibt in Österreich eine Vielzahl von diplomatischen Vertretungen. Doch sie haben es kaum geschafft, Afrika hierzulande zu verteidigen.
Weiters mangelt es uns noch an Solidarität. Jeder Verein kämpft um das Überleben und ist froh, wenn er ein oder zweitausend Euro irgendwo auftreibt. Selten legen zum Beispiel zwei Vereine ihre Ressourcen zusammen und machen ein gemeinsames Projekt.

Es ist bedauerlich, aber es gibt Defizite beim Know-how. Nicht alle wissen, wie es in der österreichischen Gesellschaft funktioniert, etwa das Schreiben von Projektanträgen. Ein Beispiel dafür ist das afrikanische Unternehmertum. Warum gibt es keine afrikanische Restaurantkette? Ein kleines Restaurant öffnet heute und ist übermorgen schon geschlossen. Das hat nichts mit Rassismus zu tun.

Wie geht es nach Ke Nako mit der Vernetzungsplattform weiter?
Es wird eine Klausur geben, mit dem Ziel, Ke Nako zu einer ständigen Einrichtung zu machen. Nächstes Jahr mit einem anderen Schwerpunkt als die Fußball-WM.
Wir müssen auch über die Rolle der AVP als Interessenvertretung, die national und international tätig ist, nachdenken. In Wien denken wir daran, eine Art Ke Nako-Zentrum einzurichten, wo Programme zur Orientierung, Förderung, Unterstützung und Bildung angeboten werden.

Unter diesem Namen?
Ja, Ke Nako soll weiterleben.

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