Kein emanzipatorischer Akt

Frauen im bewaffneten Kampf SWM 7-8/2012

Leider artet der Beitrag von Rosa Hannreich in ein unkritisches und unreflektiertes Heroisieren von Frauen in bewaffneten Konflikten aus. Neben einer antiquierten Phrasendrescherei zeichnet sich der Artikel durch mangelnde wissenschaftliche Recherche aus, die auch nicht durch das Kopieren von mangelhaften Wikipedia-Beiträgen wie z.B. zur Wehrpflicht verbessert wird. Die Wehrpflicht für Frauen gibt es de facto in Israel, Eritrea und Nordkorea, aber sicher nicht in der Elfenbeinküste, Tschad, Malaysia u.a.

Die Behauptung, die Geschichtsschreibung ignoriere weibliche Kombattantinnen, ist ebenso unrichtig, finden sich doch zahlreiche – mehrheitlich englischsprachige und von Frauen geschriebene – Publikationen zu diesem Thema. Bei aller Wertschätzung für den Beitrag von Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus kann dieser doch nicht in einem Atemzug mit den Tamil Tigers in Sri Lanka und anderen Terrororganisationen genannt werden. Die tamilischen SeparatistInnen waren für ihren brutalen Kampf gegen die singhalesische Bevölkerungsmehrheit und gemäßigte TamilInnen bekannt, den sie teilweise mit Selbstmordattentäterinnen führten. Die Ideologie bestand aus tamilischem Nationalismus ohne gesellschaftliche, politische oder wirtschaftliche Agenda. Auch der tödliche Anschlag auf den indischen Premier Rajiv Ghandi wurde von einer weiblichen Angehörigen der Tamil Tigers mit einem Sprengstoffgürtel ausgeführt. Wo bitte ist da ein emanzipatorischer Akt zu sehen? Vielleicht könnte die Autorin einmal die traumatisierten Mädchen und Frauen interviewen, die als (Kinder-)Soldatinnen und Selbstmordattentäterinnen missbraucht wurden. Die Salesianer Don Boscos führen derzeit Projekte – auch mit Unterstützung der Stadt Wien – in Sri Lanka durch, um eben diese Frauen therapeutisch zu behandeln und in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Auch dass Eritrea, vor 20 Jahren mit einer fortschrittlichen Verfassung unabhängig geworden, heute bei einer Gesamtbevölkerung von 5,3 Mio. ein stehendes Heer von 300.000 Männern und Frauen unterhält, hat nur zu einer totalen Verarmung der Bevölkerung geführt (HDI 177 von 187 Ländern) und keinen Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit ergeben. Grundsätzlich kann ich keinen entwicklungs- oder frauenpolitischen Vorteil durch die Beteiligung von Frauen in Kriegen erkennen.

Bernhard Bouzek
Per E-Mail

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen