Kein Nord-Süd-Gefälle

Von Brigitte Pilz
Das Künstlerlabor Mapa Teatro aus Bogotá, Kolumbien, gestaltet die Performance „Discurso de un hombre decente“ über ein bei der Leiche des Drogenbarons Pablo Escobars gefundenes hypothetisches Regierungsprogramm.

Viele aktuelle Festivalprogramme geben sich dezidiert politisch. In Österreich war es etwa im Vorjahr der Steirische Herbst mit dem Fokus „art is concrete“. Heuer sind es die Wiener Festwochen, die in vielfältigen und auf innovative Weise miteinander verzahnten Kunstformen politische Themen aufgreifen. Dabei folgt das Kunstschaffen nicht linearen Ansprüchen. „Kunst ist nicht die Realisierung guter Absichten und nicht Aufklärung“, sagt die Schauspielchefin der Wiener Festwochen, Stefanie Carp, im Interview mit dem Südwind-Magazin. „Kunst ist eher Verstörung.“ Sie nimmt die BetrachterInnen nicht in pädagogischer Absicht an der Hand und erspart ihnen nicht das Denken darüber, wohin die Reise gehen soll und wofür man sich engagiert.

In politischen Krisengebieten positioniert sich das Kunstschaffen oft sehr deutlich als Widerstand gegen menschen- und freiheitsverachtende Regime. In Syrien wird unter anderem mit Fotografie und neuen Medien der Befreiungskampf unterstützt. In Ägypten sind seit Beginn des „Arabischen Frühlings“ vorher verbotene Graffiti und andere Wandmalereien Teil der Revolution. In China kämpfen KünstlerInnen auf vielfältige Weise für Menschenrechte und freie Meinungsäußerung, so auch mit Hilfe der Satire und der Karikatur. Unerschrocken begeben sich viele mit ihren öffentlichen Äußerungen in persönliche Gefahr. Andere müssen ins Exil flüchten, lassen sich dennoch nicht mundtot machen. Auch in demokratischen Ländern äußern sich KünstlerInnen zu Emanzipation, Gerechtigkeit, Machtkontrolle und vieles mehr. Wir können auf den folgenden Thema-Seiten nur einen kleinen Einblick dessen geben, was weltweit und aktuell auf dem Gebiet der politischen Kunst geschieht.

Oft ist es nicht klar, wo die Grenze verläuft zwischen Kunst und Widerstand bzw. Aktionismus und Widerstand oder Auflehnung als Marketingstrategie. Kunstschaffen artikuliert sich in unterschiedlichsten Formen. Eines zeigt sich aber deutlich: Es mag mehr oder weniger anspruchsvolle Kunst geben, innovative Ansätze oder Mainstream, mehr oder weniger Kreativität zum Ausdruck gebracht werden. Die Grenzen verlaufen aber mit Sicherheit nicht zwischen dem globalem Norden und dem Süden, zwischen armen und reichen Ländern.

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen