Keine Haarspalterei

Von Erwin Weissel, 1230 Wien ·

Standpunkt (5/2002)

Ich schicke voraus, dass die vorgebrachte Kritik am Ergebnis der Konferenz m.E. mehr als berechtigt ist, darum geht es mir nicht.
Mich stört der Hinweis, dass die Vertreter der Mächtigen wie Chirac etc. vormittags sprachen und jene der machtlosen Armutschgerln erst nachmittags und abends vor halbleerem Plenarsaal. Was soll damit ausgedrückt werden?
Hat man die Machtlosen in den Nachmittag und Abend verbannt, weil da ohnehin die Hälfte der Delegierten nicht anwesend ist? Oder ist die Hälfte nicht anwesend gewesen, weil die Machtlosen gesprochen haben? Die Frage nach der Richtung der Kausalität ist beileibe keine Haarspalterei, denn aus der Antwort ist auf die Grundhaltung der Delegierten zu schließen: Im ersten Fall halten sie die Konferenz für wertlos, im zweiten sind ihnen die Machtlosen Schnuppe, und in jedem Fall wäre es interessant zu wissen, wer denn die abwesende Hälfte war, resignierende Arme oder habgierige Reiche. Das ändert zwar nichts am Charakter einer erbärmlichen Schmierenkomödie (oder -tragödie), aber der Leser erfährt, wer warum wie mitgespielt hat, und das ist wichtig in einer Zeit, wo gepredigt wird, dass die Armen, die Arbeitslosen, die Ausgegrenzten, die Behinderten usw. an ihrem Elend grundsätzlich selbst schuld sind, sie sind halt zu wenig flexibel oder kreativ oder innovativ oder was da sonst noch an leerem Stroh gedroschen wird.
Niemand soll sich darauf ausreden können, er habe nicht gewusst, wie den Armen übel mitgespielt wird.

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