Kindesmissbrauch im Urlaub

Kinderprostitution ist ein Teil der Reiseindustrie, dessen Ausmaß nicht mehr übersehen werden kann. Auf einem Symposium im Rahmen der Wiener Ferienmesse, veranstaltet von "respect" und der Südwind Agentur, wurden die Hintergründe dieses Phänomens beleucht

Von Lydia Matzka
Laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden jährlich drei Millionen Kinder weltweit zur Prostitution gezwungen. Die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen hat sich gerade durch die einfache und kostengünstige Erreichbarkeit von fernen Urlaubszielen im Süden in den letzten Jahren massiv verstärkt. In Ländern wie den Philippinen, Thailand, der Dominikanischen Republik, Kuba, Kenia und Brasilien ist Kindersextourismus ein wirtschaftlicher Faktor der Reiseindustrie geworden.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die stetig steigende Anzahl missbrauchter Kinder ist die Immunschwächekrankheit Aids. Aus Furcht, sich mit dem HI-Virus zu infizieren, fragen immer mehr Sextouristen nach Kindern und Jugendlichen.

Der Tod des 12-jährigen philippinischen Mädchens Rosario Baluyot 1987 war ein wichtiger Auslöser für die internationale Bewegung gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Sie starb an schweren inneren Verletzungen, die ein abgebrochener Dildo verursachte, der ihr gewaltsam von einem Touristen eingeführt wurde. Auch der Brand eines Bordells in Phuket (Thailand) 1984, bei dem 5 Kinder umkamen, löste weltweite Empörung aus: Man fand angeketttete Kinder, die nicht fliehen konnten und in den Flammen starben. Allein in Thailand sollen es circa 400.000 bis 800.000 Kinder jährlich sein, die für den Tourismus sexuell ausgebeutet werden.

Als einen "Beitrag Österreichs gegen das weltweite Verbrechen des Kindesmissbrauchs" sehen die Filmemacher Dolezal & Rossacher ihren im Auftrag des Familienministeriums produzierten zweiminütigen Film. Das Inflight-Video wird seit Oktober von der AUA auf Langstreckenflügen in einschlägige Destinationen gezeigt. Die Botschaft des Videos ist deutlich: Kindersextourismus ist ein Verbrechen. Der Täter kann überall auf der Welt strafrechtlich verfolgt werden.

Gesetzliche Maßnahmen allein können das Phänomen Kindersextourismus nicht eindämmen. "Zahlen und Fakten müssen nach außen getragen werden, damit die Bevölkerung das Problem überhaupt wahrnimmt", sagte Mechthild Maurer von ECPAT, einer internationalen NGO gegen Kindersextourismus mit Sitz in Thailand. ECPAT wurde 1990 gegründet, nahm Touristen ins Visier, betrieb wirksame Öffentlichkeitsarbeit und baute ein Netzwerk von 300 Organisationen in über 45 Ländern weltweit auf. Die Organisation arbeitet verstärkt mit Reiseveranstaltern, Hotelbesitzern und den lokalen Polizeibehörden zusammen.

Weiters erstellte ECPAT gemeinsam mit Tourismusunternehmen einen Verhaltenskodex (CCC) . Dieser "Certified Code of Conduct" ist eine Vertragsklausel, der die Reiseveranstalter dazu verpflichtet, Kindersextourismus zu verurteilen und dies auch in ihren Katalogen und Internetseiten kundzutun.

Angestellte im Tourismus werden auf die Einhaltung des CCC geschult. Der Kodex ist eine Chance für die Bekämpfung von Kindersextourismus, Reiseunternehmen können sich durch die Kennzeichnung mit dem Kodex positiv vom Markt abheben.

Elisabeth Rehulka vom Österreichischen Reisebüro- und Reiseveranstalterverband sagte die Unterstützung der heimischen Tourismus-Industrie zu.

Christian Baumgartner von "respect" sprach von "konkreten Schritten", was die Arbeit mit einigen österreichischen Reiseveranstaltern betrifft. Hierzulande engagiert sich "respect" für die Umsetzung des CCC.

Weitere Infos bei "respect", dem Zentrum für Tourismus und Entwicklung, Diefenbachgasse 36/4, Tel 01/895 62 45, Fax 01/812 97 89, E-mail: office@respect.at.

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