Klein, fein, visionär

Auf Projektebene spielen Biokraftstoffe für die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit keine große Rolle. Sie beteiligt sich jedoch am internationalen Dialog zum Thema.

Von Robert Poth
Eine nachhaltige Energieversorgung, ob durch Wasserkraft, moderne Biomasse, Solar- und Geothermie, ist für die Österreichische Entwicklungs- und Ostzusammenarbeit (OEZA) zentrale Voraussetzung der Armutsbekämpfung. In Bhutan fördert die OEZA etwa den Einsatz verbesserter energieeffizienter Öfen, ein Projekt, das es beim Energy Globe Award 2004 in der Kategorie „Luft“ unter die besten 5 schaffte. Sieht man von der Vojvodina (Serbien) ab, wo österreichisches Know-how beim Aufbau einer Biodieselproduktion aus Raps eingesetzt wird, enthält das Portfolio der OEZA jedoch kein Biokraftstoffprojekt. Das könnte sich aber ändern, denn die OEZA ist im Februar 2007 der Energie- und Umweltpartnerschaft für Zentralamerika beigetreten.
Diese im Rahmen des Weltgipfels über die nachhaltige Entwicklung in Johannesburg 2002 gegründet Initiative konzentriert sich auf die Förderung von Projekten im Bereich erneuerbare Energie. Neben Sonnenenergie, Geothermie, Windkraft und Kleinwasserkraft werden auch Biokraftstoff- und Biomasseprojekte in El Salvador, Honduras und Guatemala unterstützt. Österreich ist bisher noch an keinem dieser inzwischen weit über 100 Projekte beteiligt. Empfehlenswert sind aber die Kurzpräsentationen, die es auf der Website der Partnerschaft gibt (www.sica.int/energia/, spanisch und englisch). Sie liefern nicht nur einen Einblick in die Welt des Biodiesels, von Altöl über den Jatropha-Busch bis hin zur Ölgewinnung aus Mikroalgen, sondern über die Beschreibung der Projekthintergründe auch in die Folgen hoher Ölpreise in Zentralamerika.

In Gestalt des Global Forum on Sustainable Energy (GFSE), das 1999 auf Initiative des österreichischen Außenministeriums gegründet wurde, ist die OEZA aber auch aktiv an der Förderung eines internationalen Dialogs über das Potenzial von Biomasse und Biokraftstoffen beteiligt. Im Rahmen des GFSE-6 Ende November 2006 („Africa is energizing itself“) diskutierten internationale ExpertInnen unter anderem über Chancen und Risiken des Einsatzes von Biokraftstoffen in Afrika.
Die Präsentationen zu diesem Thema (Plenary IV) sind unter www.gfse.at/GFSE-6.152.0.html abrufbar. Einige der Aussagen: Sambia könnte auf Basis seiner aktuellen Zuckerrohrflächen ca. 6% seines Benzinverbrauchs durch Ethanol ersetzen (mit E10 = 10 Volumsprozent Ethanol); und auf Basis von Zellulose-Verfahren könnte sich Afrika überhaupt selbst versorgen. Man kommt beim Thema Biokraftstoffe an den großen Visionen einfach nicht vorbei.

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