Klima der Ungerechtigkeit

Von Irmgard Kirchner
Dieses junge Jahr ist entscheidend für die globale Klimazukunft. Im Dezember verhandelt die internationale Staatengemeinschaft in Kopenhagen einen Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll von 1997. In diesem haben sich die reichen Länder - aufgelistet im sogenannten "Annex-1" - verpflichtet, ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2012 um (völlig unzureichende) 5,2 Prozent zu senken. Sogar dieses bescheidene Ziel wird nicht erreicht werden. Und dabei sind wir bereits mittendrin in der Klimakrise. Nur mit allergrößter globaler Anstrengung kann der Temperaturanstieg auf die maximal verkraftbaren 2 Grad Celsius begrenzt bleiben.
Die Tatsache Klimawandel und die Notwendigkeit, Klimaschutz zu betreiben, werden heute nur mehr von einer kleinen Schar Unbelehrbarer bestritten. Und doch scheint der Karren festgefahren. Die Klimadebatte schwankt zwischen einem Heraufbeschwören der Apokalypse und einer Fixierung auf technische Lösungen und die angeblichen Regulierungskräfte des Marktes.

Der Treibhauseffekt und die Versuche, mit ihm umzugehen, zeigen sehr eindrücklich die ganze Problematik des Nord-Süd-Konfliktes. Dies verdeutlichen die folgenden Thema-Seiten, die wir großteils von unserer Partnerzeitschrift New Internationalist übernommen haben. Diejenigen, die gerechnet über einen längeren Zeitraum am wenigsten dazu beigetragen haben, leiden als erste und am stärksten und sind zu arm, um sich durch technische Maßnahmen zu schützen. In diesem Umfeld von Macht und Ungerechtigkeit werden oftmals Scheinlösungen präsentiert. Naheliegendes, wie etwa Landrechte und Mitsprache für Indigene, die ihre natürliche Umwelt seit Jahrtausenden bewahrt haben, werden nicht ernsthaft diskutiert.
Es gibt nur ein Klima und Alleingänge sind nicht möglich. Außer beim Setzen der ehrgeizigsten Klimaschutzziele. Hier müssen die reichen Staaten vorpreschen. Sie schaffen damit erst Glaubwürdigkeit und erwerben das moralische Recht, Forderungen an andere - etwa die Schwellenländer - zu stellen.

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