Klischees gegen Rassismus

Soso ist ein austro-burundischer Comedian ohne Scheu vor Verallgemeinerungen und mit einem großen Anliegen. Ein Porträt des Entertainers von Redakteur Richard Solder.

Eine Präsentation seines Burundi- Projektes führte zum Start einer Bühnenkarriere: Simplice Mugiraneza alias Soso.

Soso streckt die Hand auf der Bühne in Richtung Publikum. „Wer wollte schon immer einmal einen Afrikaner begrüßen?“, fragt der Komiker grinsend. Ein paar Menschen zeigen auf und schütteln bald darauf die Hand des gebürtigen Burundiers. „Übrigens fühle ich mich heute leider nicht besonders“, sagt Soso dann. „Ich komme gerade von einer Tournee in Liberia, Sierra Leone – und in Guinea war ich auch.“ Er mimt jetzt den Kranken, um dann gleich wieder zu fragen: „Wer will noch einen Afrikaner begrüßen?“ Leute im Publikum lachen. Umso mehr, als sie bemerken, dass andere den Ebola-Witz nicht verstanden haben.

Von Schmähs über Ebola bis hin zu Bordell-Witzen und Masturbations-Sketchen – Soso greift nichts mit Samthandschuhen an. „Schmäh gegen Rassismus“ ist das Motto des Abends Mitte März im „Vindobona“ in Wien. Der Comedian liefert dafür nicht nur Pointen. Er ist Mitinitiator und führt durch die Veranstaltung.

Mit scharf. Simplice Mugiraneza, wie er im bürgerlichen Namen heißt, liebt die Provokation, erklärt er nach der Show im Gespräch: „Comedy muss provokant sein, sonst ist sie nur süß und nett.“

Alteingesessene Österreicherinnen und Österreicher, die türkische Community, Dschihadisten, Schwarze – alle bekommen bei Soso ihr Fett ab. Afrikanerinnen und Afrikaner können nicht Schifahren, dafür ist jeder dunkelhäutige Mensch „von Natur aus“ Marathonläufer – derartige Klischees baut Soso in seine Witze ein, und will damit nicht zuletzt zeigen, wie absurd sie sind. Trotzdem: Braucht Humor unbedingt Klischees? „Klischees sind sowieso da. Es bringt viel mehr, wenn wir darüber lachen“, sagt der 31-Jährige und ergänzt: „Bei Klischees weiß jeder, was gemeint ist. Das macht es viel einfacher, als Comedian verstanden zu werden“.

Buntes Publikum. Soso will kein Nischenprogramm machen, sondern so viele Leute wie möglich erreichen. Das Publikum am „Schmäh gegen Rassismus“-Abend im „Vindobona“ entspricht nicht der klassischen Zusammensetzung in einem österreichischen Kabarett-Etablissement. Es sind einige Menschen mit Migrationshintergrund gekommen, vor allem mit afrikanischem Background. Überraschend viele Kinder sind dabei.

Soso grenzt seine Kleinkunst, die in der Tradition der Stand-Up-Comedy steht, bewusst vom traditionellen österreichischen Kabarett ab. Seine Vorbilder sind neben afrikanischen Comedians wie Eric Omondi aus Kenia und Basketmouth aus Nigeria die Afroamerikaner Eddie Murphy und Chris Rock. Wenn der Austro-Burundier auf der Bühne loslegt, dann erinnert das an die US-Stars: Betont lässig ist sein Auftritt und sein Styling, das Publikum hat er mit seinem Charme schnell im Griff. Soso überzeichnet gerne und spricht bewusst Tabus an, ohne je abfällig oder zu offensiv zu werden. Wo ist seine Grenze? „Es soll niemand wirklich beleidigt werden.“

Engagement. Soso ist nicht nur Schau, er hat auch Anliegen: Mit der „Schmäh gegen Rassismus“-Veranstaltungsreihe will er in Österreich gegen Vorurteile kämpfen. Bei seinem 2011 gegründeten Projekt „Football helps Foundation“ geht es darum, etwas in seinem Geburtsland Burundi zu verändern. In Fußballturnieren sollen junge Menschen unterschiedlicher ethnischer Gruppen einen respektvollen Umgang miteinander lernen.

In Burundi herrschte zwischen 1993 bis 2005 ein brutaler Bürgerkrieg. Er selbst musste wegen dieses Krieges 1993 seine Heimat verlassen, als Zehnjähriger. Soso floh in die DR Kongo, dann weiter nach Tansania, Kenia und landete schließlich in Österreich.

Dass der gelernte Elektroanlagetechniker die Bühne für sich entdeckte, war ein Zufall. 2012 stellte er auf einer Veranstaltung die „Football helps“-Initiative vor. „Ich wollte nicht sagen, ‚Liebe Leute, es ist alles so traurig in Burundi – bitte spendet‘. Also habe ich die Präsentation lustig angelegt.“ Alexis Neuberg von Radio Afrika TV bekam einen Video-Mitschnitt davon in die Hände. „Er hat mich dann gefragt, ob ich nicht Comedy machen will.“ Die ersten Shows machte der Komiker Soso gemeinsam mit Radio Afrika TV.

Mittlerweile war Soso schon im ORF (u.a. bei „Große Comedy Chance 2014“) und im deutschen Fernsehen („Quatsch Comedy Talentschmiede“) zu sehen. Ins „Vindobona“ lädt er jetzt monatlich zu „Sosos Comedy Club“, das nächste Mal am 17. April. Garantiert mit viel Charme – und mit einigen Klischees im Gepäck.

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen