Klo-Geschichten

Von Brigitte Pilz
Ein Schwerpunkt zum Thema "Sanitäre Versorgung" hat im Südwind-Magazin natürlich den Fokus "Basisversorgung in Entwicklungsländern". Doch auch wir in reichen Ländern haben unsere problematischen Klo-Geschichten.
Da ist einmal die Umwelt, die wir mit Hilfe unserer Wasser-Klos arg belasten. Jedes kleine "Geschäft" spülen wir meist mit zehn Liter reinstem Trinkwasser in den Kanal. Geld und Energie ist für die Weiterbehandlung in Kläranlagen nötig. Dabei produzieren wir selbst am Klo etwa ein Drittel des weltweiten Bedarfs an Dünger. Das wird viel zu wenig genutzt. Dann die öffentlichen Toiletten. Ich habe mich schon oft gefragt, warum wir Frauen davor lange Schlangen bilden müssen, während sich bei Männer-Klos kein Stau bildet. Ich sehe nicht ein, warum Damen- und Herren-Toiletten meist mit gleich großem Grundriss konzipiert werden. Und besonders hasse ich es, wenn sich Männer an der Frauen-Schlange vorbei ins Freie drängeln und anbieten: Gehen Sie ruhig bei uns rein, die Kabine dort ist frei.
Umgekehrt: Auf der Türe der Frauen-Toilette prangt meist das Schild "Wickeltisch". Kürzlich sah ich eine, wo ein Vater hinzugekritzelt hat: Und wo soll ich wickeln? Auch wahr.

Wir sprechen nicht viel über Toiletten und Co. Das Thema ist fast überall auf der Welt mit einem Tabu belegt. Wir erzählen uns nur ausführliche Klo-Geschichten, wenn wir von Reisen in arme Länder zurückkommen. Der Zustand bzw. das Nichtvorhandensein von entsprechenden Toiletten-Anlagen ist aber für die dortige Bevölkerung mehr als eine "Pfui- und Bäh"-Story. Die Folgen sind vielmehr Ursache für mühselige Alltagsbewältigung, für Krankheiten, Todesfälle besonders bei Kleinkindern und vieles mehr. Unsere AutorInnen zeigen auf, wie vielfältig mangelnde sanitäre Grundversorgung das Leben der Betroffenen beeinflusst. Dabei gäbe es ausreichende technische Lösungen. Es bedarf aber auch gesellschaftlicher Veränderungen - sowohl dort, wo durch Reichtum immer neue Armut produziert wird, als auch dort, wo Menschen gefordert sind, Missstände nicht zuletzt durch Eigeninitiative zu verbessern.

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