Krieg im Lande des Mahdi. Darfur und der Zerfall des Sudan.

Thilo Thielke

Von Peter Schmidt
Magnus Verlag, Essen 2007, 400 Seiten, € 14,95

Thilo Thielke lebt seit 2003 mit seiner Familie als Afrikakorrespondent des „Spiegel“ in Nairobi. Davor hatte er mit dem Sudan kaum zu tun, schrieb zum Balkankrieg, arbeitete bei „Spiegel TV“, schrieb über Fußball- und Hollywoodstars von Madonna bis George Clooney.
400 Seiten über „das Land des Mahdi“ täuschen. Zunächst besteht ein geschätztes Drittel des Buches aus unzähligen und häufig sehr langen Zitaten – besser Texten – bekannter Sudan- und Tschad-Reisender des 19. Jahrhunderts wie Nachtigal, Barth, Schweinfurth, Rohlfs, Brehm, des Österreichers Slatin Pascha und dazu noch – am ausführlichsten! – des eher als Gourmet bekannt gewordenen deutschen Adeligen Fürst Pückler-Muskau – Thielkes Reisebegleiter. Immerhin ist es für die Leserschaft von Vorteil, dass neben den klassischen Forschern auch heutige Sudan-Experten wie Gerard Prunier, Alex de Waal, Bernhard Streck u.a. zitiert werden. Denn Thielkes eigene Reiseberichte beschränken sich auf streckenweise schwer erträglichen Boulevard-Stil und Klischees („Hitze, Staub, lauwarmes Heineken“, „khakifarbene Wüstenuniform, babyblauer Himmel“).
Wirklich unerträglich wird Thielke aber in seiner krassen Präpotenz und ungerechten Vorverurteilung praktisch aller Hilfsprojekte, allen Engagements, auf das er in Sudan trifft: Außer für seinen Freund Rupert Neudeck und den Archäologen Prof. Wildung hat er für Helfer z. B. im Südsudan nur Spott und Hohn über. Liest man sein Buch genauer, dann stellt sich heraus, dass der Spiegel-“Experte“ nicht allzu viel Zeit verbracht hat im Lande.
Und schließlich geht es in einem Drittel des Buches über seine zwei Wochen Darfur-Reise mit Journalistenkollegen, organisiert von den Rebellen vom Tschad aus, wo Thielke vorher zwei Wochen verbringt. Und er trifft die Rebellen von der Sudan Liberation Army: „Sie lachen freundlich und winken zum Abschied freundlich mit ihren Sturmgewehren…“

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