Kultur erhalten, aber wie?

Von Martina Kopf
Umweltschutz, Artenschutz, Naturschutz, Denkmalschutz, Schutz von Rechten, von geistigem Eigentum – wir sind im Zeitalter des proklamierten Schützens angelangt. Während auf der einen Seite Zerstörung und Ausbeutung von Leben, Menschen und Ressourcen ein hohes Ausmaß erreicht haben, wachsen auf der anderen Seite die Bestrebungen, zu schützen, zu erhalten und vor ungewollten Zugriffen zu bewahren. Mit der UNESCO-Konvention zum Schutz des Immateriellen Kulturerbes wurde auf Ebene der internationalen Staatengemeinschaft ein Prozess in Gang gesetzt, der die Idee des Schützens und Erhaltens nun bis ins Innerste dessen hineinträgt, was uns als Menschen ausmacht und besonders macht:
Überliefertes Wissen, Kunst, kulturelle Ausdrucksformen, die – so steht es in der Konvention – von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Dass Individuen oder Gemeinschaften sich Gedanken darüber machen, wie sie ihr Wissen, ihre Kunst und ihre Kulturtechniken weitergeben und erhalten, ist nicht neu. Vögel brauchen sich keine Gedanken darüber machen, wie sie ihre Gesangstechniken an die nächste Generation weitergeben. Der Dachs gräbt seinen Bau, ohne darin unterrichtet worden zu sein und Bienen wissen, wenn sie das erste Mal ausfliegen, was sie zu tun haben.
Nur Menschen ringen um ihr kulturelles Gedächtnis, ob individuell oder kollektiv. Es ist auch nicht neu, dass ein kollektives Gedächtnis sich nicht ohne Konflikte und Entscheidungen bildet: Was wird bewahrt, was wird verdrängt? Wem gehört, was an lebendigem Wissen präsent ist, und wer kann es jetzt und in Zukunft brauchen?

Ein gegenwärtiges Phänomen ist aber, dass diese Fragen auf Ebene der internationalen Gemeinschaft gestellt und diskutiert werden und in international und national verbindliche Rechtsinstrumente und Gesetzgebungen Eingang finden sollen.
Der westlich-hegemoniale Begriff von „Hochkultur“ ist brüchig geworden – an seine Stelle tritt ein dynamischer Kulturbegriff, der Veränderung und Bewegung einschließt.

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