Kulturstreit in Wien

Das Völkerkundemuseum muss den Direktionsposten neu ausschreiben. Direktor Christian Feest warf frustriert das Handtuch.

Von Michaela Krimmer
Erschöpfungszustände im Museum für Völkerkunde (hier ein Foto aus der Ausstellung „Unsichtbare Welten“).

"Tibetische Zustände“ seien ausgebrochen, sagten die Grünen: „Ein kleines Museum kämpft um seine Unabhängigkeit, wird von seinem übermächtigen Nachbarn einfach überrollt, und der Direktor muss gehen.“

Im Oktober hat der Direktor des Museums für Völkerkunde in Wien, Christian Feest, gekündigt. Letzten Sommer hatte die Konzeptionierung des „Museum Neu“ begonnen. Das Museum für Völkerkunde, seit einem Jahrzehnt vom Kunsthistorischen Museum (KHM) einverleibt, und das Volkskundemuseum wollten die schon lange als veraltet geltende Trennung von außereuropäischer und europäischer Ethnologie aufheben. Ihr Wunsch war es, die beiden Museen zu einem Kulturenmuseum zu fusionieren. Aus angeblich budgetären Gründen ist der Plan von Seiten der Kulturministerin Claudia Schmid aber abgeschmettert worden. Sie will die beiden Museen unter dem Dach des KHM zusammenbringen.

Wie die Direktorin des Volkskundemuseums Margot Schindler erklärte, sei der Lösungsvorschlag des Kulturministeriums für die Einbindung des „Museum Neu“ in den Verband des Kunsthistorischen Museums (KHM) „enttäuschend“. Das neue Kulturmuseum, wie es das Konzept der beiden Museen vorsieht, fehle in Österreich und „vor allem in Wien ganz massiv“. Im Oktober schrieb der Direktor des Völkerkundemuseums Christian Feest einen Brief, in dem er seine Sorge um das Museum für Völkerkunde ausdrückte. Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, meint, dass die Kulturministerin und die Direktorin des KHM „in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Feest unverblümt zum Rücktritt gedrängt“ hätten. Daraufhin warf Feest das Handtuch und kündigte.

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen