Kunst auf den zweiten Blick

Von Martina Kopf ·

Es ist nicht von vornherein selbstverständlich, ein Schwerpunktthema zeitgenössische bildende Kunst in einem Magazin zu bringen, das sich vorwiegend mit Fragen der Globalisierung beschäftigt: mit Verteilungsgerechtigkeit, globalen Märkten, Menschenrechten, Nord-Süd-Dialog, Entwicklung und anderen mehr. Visuelle Kunst hat auf den ersten Blick wenig damit zu tun. Vielen gilt sie als elitär und abgehoben. Wenn schon Kunst aus dem Süden, dann solche, die dort auch populär ist und mehr Menschen erreicht, wie etwa Musik oder Film.
Und auf den zweiten Blick? Wir leben mit Bildern, nicht erst seit dem viel beschworenen Medienzeitalter, aber seither besonders. Täglich wird uns über Werbung und Medien eine Flut leicht konsumierbarer Bilder vorgesetzt. Von klein auf setzen sich Bilder in unseren Köpfen fest, die unser Handeln mehr bestimmen, als uns bewusst ist. Oft vergessen wir, woher sie kommen. Bilder über Afrika zum Beispiel, rassistische Stereotype, deren Geschichte sich über Jahrhunderte zurück verfolgen lässt. Wo sonst sollte die Macht von Bildern besser hinterfragt, unterwandert oder schlicht verändert werden können als in den Räumen der Kunst? Von Menschen, deren Begabung eben im Sehen, im Aufdecken und Verändern von Sehgewohnheiten und im Erschaffen visueller Eindrücke liegt?

Die folgenden Thema-Seiten widmen sich Aspekten von Kunst im globalen Zusammenhang. Sie bieten verschiedene Perspektiven auf Kunst aus dem Süden und das Politische in der Kunst – und zeigen den Versuch, die unterschiedlichen Sprachen, die im Bereich der Kunst und der Entwicklungspolitik gesprochen werden, einander näher zu bringen.
Jahrhunderte lang dominierten die Kolonialreiche Europas und später die USA auch die Produktion von Bildern und den Handel damit. 2007 wurde mit 13 Millionen Euro ein Rekordpreis für die Arbeit eines noch lebenden Künstlers erzielt. Der Künstler ist ein Mann, Europäer, weiß, mittleren Alters. Die globalen Bedingungen, unter denen moderne Kunst entsteht, gehandelt und ausgestellt wird, sind alles andere als fair. Doch sie verändern sich.

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