Lächelnder Widerstand

Dodok setzt sich in der indonesischen Stadt Yogyakarta für das Recht auf Land, Wasser und Wohnen. Andrea Hiller und Jürgen Plank porträtieren den Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten.

© Jürgen Plank

Ein Mann steht vor einem Hotel und schüttet sich Sand über den Kopf. Eine Protestaktion, Widerstand in kreativer Form. Einige Passantinnen und Passanten schauen zu. Der Protestierende nennt sich Dodok*, seine Aktion hat er in Yogyakarta gesetzt, der kulturell bedeutenden ehemaligen Hauptstadt Indonesiens.

Yogyakarta ist ein wichtiger Tourismusort auf Java, hier wurden in den vergangenen Jahren mehr als 100 neue Hotels gebaut, Swimmingpools inklusive. Die Folge: Immer öfter sind in den angrenzenden „kampungs“, den armen Wohnvierteln, die Brunnen versiegt. Der Sand der Protestaktion deutet an: Hier gibt es kein Wasser mehr. „Unmittelbar nach meiner Aktion ist das Hotel geschlossen worden“, berichtet Dodok. Ein Erfolg seiner Protestaktion. „Es hat sich herausgestellt, dass illegal nach Wasser gebohrt worden war.“ Das Wasser für das Hotel war aus dem Grundwasser abgepumpt worden. Eine Woche später führen die davor ausgetrockneten Brunnen im „kampung“ wieder Wasser.

Frühe Politisierung. Lange schwarze Haare, kräftige Arme, glänzende Augen und ein ansteckendes Lächeln: Dodok wurde 1977 in Yogyakarta geboren, ab dem Alter von sieben Jahren war er auf der Straße als Musiker, Verkäufer und Altpapiersammler tätig. Seine Politisierung begann früh, als Jugendlicher gründete er die „Gemeinschaft progressiver Straßenmusikanten“. Er kämpfte im „Kollektiv der Marginalisierten“ für die Rechte der StraßenmusikerInnen und der Obdachlosen und für eine Legalisierung des informellen Wirtschaftssektors, in dem heute rund 60 Prozent der IndonesierInnen tätig sind.

„Ich bin schon seit 1993 auf der Straße aktiv, zunächst war ich Straßenmusiker“, erinnert sich Dodok an die Anfänge seiner politischen Tätigkeit. Irgendwann Mitte der 1990er Jahre haben ihn demonstrierende StudentInnen beim Musizieren gestört. Er begann, sich für ihre Anliegen zu interessieren und ist seitdem selbst politisch aktiv.

Schließlich lernte er die landesweit tätige NGO Urban Poor Consortium (UPC) kennen und schloss sich dieser 2001 an. „Im Interesse der Reichen werden in ganz Indonesien Armensiedlungen geräumt, um an deren Stelle moderne Wolkenkratzer und Shoppingmalls zu bauen“, sagt Dodok.

UPC kämpft für das Recht auf Land, Wasser und Wohnen und hilft Armen bei der Wiederrichtung von zerstörten Häusern. Vor allem hilft die NGO Menschen dabei, sich selbst zu organisieren – Einblick dazu gibt die viel gelobte Doku „Jakarta Disorder“ des österreichischen Filmemachers Ascan Breuer.

Repressionen. Dodoks Arbeit ist nicht ungefährlich: „Ich wurde bereits vier Mal festgenommen und geschlagen. Wobei das in Indonesien leider nicht wirklich unerwartet kommt“, so der Aktivist.

Trotz Repressionen kämpft Dodok vehement weiter. Heute organisieren sich Dodok und seine MitstreiterInnen über soziale Medien. Und sie bewegen etwas: Für die Opfer eines Schlammvulkan-Ausbruchs etwa, verursacht durch eine ungesicherte Ölbohrung, haben sie Entschädigungszahlungen erreicht.

Der Präsident Indonesiens, Joko Widodo, hat vor seiner Wahl mit UPC eine Vereinbarung getroffen: Darin erklärt das Staatsoberhaupt gegenüber der Organisation, dass er sich für Gesundheit, Bildung, Land- und Wohnrechte der Armen einsetzen wird.

Solidarität benötigt. Für UPC hat Dodok im Herbst 2016 bei einer internationalen Konferenz von in Städten wirkenden Aktivistinnen und Aktivisten im polnischen Breslau teilgenommen. Dodok berichtete über seine Arbeit und vernetzte sich mit Engagierten aus aller Welt.

Das Treffen und die neuen Kontakte waren ihm so wichtig, dass er sich das Geld für die Anreise von Freunden ausborgte. „Meine Hoffnung ist, dass wir in Zukunft mit möglichst vielen Menschen, am besten mit der gesamten Bevölkerung um das Recht auf Land, Wasser und Wohnen kämpfen werden“, sagt er. Ein Kampf, der internationale Solidarität brauche.

*) Wegen möglicher Repressionen musste der ganze Name auf Dodok verkürzt werden.

Andrea Hiller ist Kulturanthropologin und Kulturvermittlerin. Jürgen Plank ist Ethnologe, Autor, Musiker, DJ. Beide leben und arbeiten in Wien.

Die NGO Urban Poor Consortium im Netz: www.urbanpoor.or.id

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