Land und Stadt

Von Redaktion ·

Musik aus einem tunesischen Tal und Oriental Dub aus Istanbul: so klingt orientalische Tradition in zeitgemäßem Sound.

Eher wenig bereist ist die Gegend zwischen den Bergen Nordwest-Tunesiens und der algerischen Grenze. Das Tal namens Bargou und das gleichnamige Dorf haben eigene Traditionen entwickelt, die bislang nicht dokumentiert wurden. Nidhal Yahyaoui hat sich dieses Defizits angenommen. Er, der im Tal mit den alten Liedern aufgewachsen ist, hat sich zusammen mit seiner Band Bargou 08 an eine zeitgemäße Bearbeitung des traditionellen Materials gemacht.

Vor mehr als zehn Jahren hat er mit dem Sammeln begonnen. Er dokumentierte den Gesang der Frauen, der Alten, alle Variationen der verschiedenen Lieder. Viele sind mehr als dreihundert Jahre alt. Schließlich wurde mit dem Produzenten und Keyboard-Spieler Sofyann Ben Youssef drei Wochen lang vor Ort das Album „Targ“ aufgenommen. Mit Gasba, Zokra (traditionelle Holzblasinstrumente), Bendir (Rahmentrommel) sowie Synthesizer und Drums wurde an einem zeitgemäßen Sound gebastelt. Nidhal Yahyaoui singt und spielt eine Variation der Oud.

Weltoffenes Istanbul. Einen urbanen Club-Sound produzieren auf jeden Fall auch BaBa ZuLa im zwanzigsten Jahr ihres Bestehens. Sie feiern das Jubiläum mit einer Doppel-CD, schlüssigerweise mit dem Namen „XX“. Bekannt wurde die Gruppe hierzulande insbesondere durch den Dokumentarfilm „Crossing the Bridge“ von Fatih Akin.

Kopf der Band ist Murat Ertel mit seiner elektronisch verstärkten Saz. Weil es für ihre Art von Musik nicht so recht einen Namen gegeben hat, nannten sie das Ganze einfach Oriental Dub. Ein durchaus zutreffender Begriff, nehmen sie doch orientalische Traditionen, verfremden sie gerne mit psychedelischen Elementen und eben mit einer gehörigen Portion Dub.

Unbequem. Es ist eine vielfältige, oft unbequeme Musik, mit tranceartigen Passagen, insbesondere auf der zweiten CD, die ausschließlich Dub-Versionen versammelt. Größen des Genres wie Mad Professor und Sly & Robbie liefern Beiträge, auch Dr. Das und Alexander Hacke wirken neben anderen mit.

Die erste CD bietet einen Querschnitt durch das bisherige Schaffen, allerdings nichts in der Originalversion. Hier sind oft treibende, impulsive Töne zu hören. Gegen Ende sind einige bisher unveröffentlichte Live-Mitschnitte enthalten, die über die Jahre entstanden sind. Traditionelle Instrumente vereinen sich mit Loops. Bilder und Eindrücke wechseln stetig auf dieser karriereumspannenden Kompilation. Verschiedene ausdrucksstarke Sängerinnen geben den Stücken jeweils zusätzlich eine spezielle Note. BaBa ZuLa verkünden ihre Botschaften vorsichtig und für diejenigen, die sie verstehen wollen. Sie konzertieren rund um den Globus und repräsentieren ein weltoffenes Istanbul.

Werner Leiss ist Musikkritiker des Südwind-Magazins und Redakteur des „Concerto“, Österreichs Musikmagazin für Jazz, Blues und Worldmusic.

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