Lebenslang verstümmelt

Breite Aufklärung ist ein effizientes Mittel zur Beendigung der grausamen Tradition der Mädchenbeschneidung. Verschiedene Organisationen zeigen endlich Engagement.

Von Simone Holzer
Das Beispiel Senegal zeigt, daß es möglich ist, jahrhundertealte Traditionen zu durchbrechen: Im vergangenen Jahr haben sich 31 Dörfer entschlossen, Mädchen nicht länger zu beschneiden. Dies war das Ergebnis jahrelanger Aufklärungsarbeit der Nichtregierungsorganisation TOSTAN ("Durchbruch"), die von UNICEF unterstützt wird. Seit Januar 1999 ist die Mädchenbeschneidung im Senegal auch gesetzlich verboten.

Zurückzuführen ist der Erfolg auf ein breit angelegtes Bildungsprogramm, in dem Frauen nicht nur lesen, schreiben und rechnen lernen. Auch Fragen zur Gesundheit, Lösungsansätze für lokale Probleme und Informationen über Menschenrechte stehen auf dem Programm von TOSTAN.

Meist zum ersten Mal erfahren hier die Frauen, daß die Beschneidung eine der Hauptursachen ihrer gesundheitlichen Probleme ist und daß sie ein Recht auf körperliche Unversehrtheit haben.

Doch gesetzliche Verbote allein ändern wenig. "Eine wirkliche Abkehr von der umstrittenen Tradition kann nur erreicht werden, wenn die Menschen über die Gefahren der Verstümmelung aufgeklärt werden"; so Annette Gabriel von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).

Die GTZ will in den kommenden vier Jahren einheimische Initiativen und Gesundheitsprojekte in West- und Ostafrika fördern.

Die Menschenrechtsorganisation für Frauen TERRE DES FEMMES fordert die westlichen Staaten auf, Frauen, denen in ihrer Heimat die Verstümmelung droht, Asyl zu gewähren und Entwicklungsgelder für Aufklärungsprojekte bereitzustellen.

In Deutschland wurde 1996 der Verein Internationale Aktion gegen die Beschneidung von Frauen und Mädchen ( (I)NTACT ) gegründet.

(I)NTACT selbst führt keine Aktionen vor Ort durch. Der Verein will sich nicht in fremde Kulturen einmischen, sondern durch Spenden Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen.

In Mali wurde 1991 die Vereinigung für die Information über traditionelle Praktiken und deren Folgen (Association malienne pour le suivi et l'orientation des pratiques traditionelles -AMSOPT) gegründet. Sie betreut nicht nur die Opfer, sondern informiert und unterrichtet die Bevölkerung unter Berücksichtigung aller Faktoren des Problems.

Im Alter von fünf Jahren wurde sie beschnitten. Heute ist die Somalierin Waris Dirie Sonderbotschafterin der UNO und kämpft gegen die Genitalverstümmelung von Frauen und Mädchen. In ihrem Buch "Wüstenblume" schildert sie die Problematik der Verstümmelung (Siehe Rezension Seite......) eindringlich.

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