Lenine: "Na Pressao", Weltmusiktipp

Von Albert Hosp

"Maracatú lives!" stand am Beginn des Artikels, der den Auftritt des Sängers, Komponisten und Gitarristen Lenine in Berlin, Ende Oktober 1999, ankündigte. Bei der WOMEX (World Music Expo) war ein Brasilien-Schwerpunkt angesagt; in hochinteressanten Diskussionen (unter der Leitung des versierten Tiago de Oliveira Pinto) und vielen Konzerten entfaltete sich wenigstens ein Teil der ungeheuren Vielfalt dieses Landes. Auf den drei Bühnen des "Hauses der Kulturen der Welt" erklang zum Großteil erwartbare afrobrasilianische Musik, dargeboten von erstaunlich klischeehaften Bands. Mit einer Ausnahme: Eine von der Besetzung her pure Rock-Gruppe (2 Gitarren, Bass, Schlagzeug) spielte eine satte, gut geerdete Form von World Music, die keinen Zweifel an ihrer Herkunft aufkommen ließ. Lenine und seine drei Kollegen zeigten, wie man den Maracatú, aber auch bekanntere Stile wie Forró und natürlich Samba durch eine frische, raue Interpretation beleben kann. Auf der im August 1999 veröffentlichten und seit kurzem hoffentlich überall erhältlichen CD "Na Pressao" klingt Lenines Musik ebenso geradlinig, ohne technischen Firlefanz und sehr druckvoll aufgenommen. Auch hier, obwohl das im Studio ja noch leichter möglich gewesen wäre, wurden praktisch keine "ethnischen" Instrumente verwendet. Lenine braucht keine Legitimation dafür, wo er daheim ist. Es kommt, und dafür ist diese Platte das beste Beispiel der letzten Monate, bei World Music überhaupt nicht auf die Instrumentation an, sondern auf den Zugang. Und schon groovt die Sache, und schon wiegen wir die Hüften, und meinen uns einmal auf dem Karneval, dann wieder im Hinterland von Pernambuco, dann wieder in Sao Paolo etc. etc. etc.

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