Leonardo Padura. Das Meer der Illusionen

Das Havanna Quartett: „Herbst“

Von Irene Stark
Aus dem kubanischen Spanisch von Hans-Joachim Hartstein. Unionsverlag, Zürich 2005, 285 Seiten, € 19,90

Auch im letzten Band des Havanna-Quartetts unter dem Titel „Herbst“ nützt der Autor das Genre des Kriminalromans, um über Politik und Lebensgefühl, über Gewalt und Angst in Kuba zu berichten. Während die Bevölkerung angstvoll auf das Eintreffen des Hurricans Félix wartet, trifft Leutnant Mario Conde einen wichtigen Entscheid: Er will den Polizeidienst quittieren, nachdem sein von ihm geschätzter Chef wegen Korruptionsverdachts in den Ruhestand versetzt wurde. Conde will endlich seinen Roman schreiben, in dem er das Schicksal seines Jugendfreunds Carlos, des „Dünnen“, verarbeiten möchte, der im Krieg in Angola zum Krüppel geschossen wurde und nun im Rollstuhl sitzt. Und dann möchte er in Ruhe mit alten Freunden seinen 36.Geburtstag feiern und sich mit billigem Rum besaufen.
Doch der neue Chef bittet ihn, noch einen letzten Fall zu lösen. Ein im Exil in Miami lebender Kubaner wurde ermordet und entmannt im Meer vor Havanna aufgefunden. Er hatte vorgegeben, nur seinen todkranken Vater ein letztes Mal besuchen zu wollen und deshalb nach Kuba zurückgekehrt zu sein. Doch bald stößt Conde auf ganze andere Beweggründe für den Kuba-Besuch des später Ermordeten. Er hatte als Beamter bei Enteignungen von Staatsfeinden in großem Stil Kunstwerke beiseite geschafft und wollte diese jetzt verkaufen. Doch seine Geschäfte verlaufen nicht ganz wie geplant. Er wird selbst aufs Schmutzigste betrogen. Conde gelingt es mit viel Intuition, den Machenschaften auf die Spur zu kommen. Endlich kann er aufhören, Polizist zu sein.
Schade: der nostalgische Looser, der ein so verlässlicher Partner für seine Jugendfreunde ist und so gar nicht einem typischen Beamten entspricht, wird den Krimifans fehlen.

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