Lesen, denken, tun

Nachdenken über Vergangenes sollte im besten Fall zum Handeln heute führen. Diese drei Bücher – empfohlen von Rudi Lindorfer, Buchhändler unseres Vertrauens – können dazu motivieren.

Erich Hackl: Am Seil. Eine Heldengeschichte. (Diogenes, Zürich 2018; 117 Seiten; € 20,60)

In Zeiten, in denen das Recht sogenannten Rassengesetzen zu Grunde liegt, braucht es wirklichen Mut, gegen diese zu verstoßen. Eindringlich erzählt Erich Hackl die Geschichte Lucia Heilmans und ihrer Mutter, die von dem passionierten Bergsteiger Reinhold Duschka (1900–1993) vor der Deportation in ein Vernichtungslager der Nazis bewahrt wurden. „Am Seil“ gründet auf Lucia Heilmans Erinnerungen. Der Held selbst hat öffentlich auch nach der Zeit des Naziterrors nie – auch nicht in Andeutungen – über die vier Jahre, in denen er Mutter und Tochter in seiner Werkstatt im 6. Wiener Gemeindebezirk versteckt hatte, gesprochen. Reinhold Duschka ist ein Vorbild für unsere Zeit, in der es kaum Mut, nur Nachdenken und Hinterfragen bräuchte, um für eine menschlichere Politik in unserem Land einzutreten – Schweigen allerdings ist heute fehl am Platz.

Francesca Melandri: Alle, außer mir. (Wagenbach, Berlin 2018; 608 Seiten; € 26,80)

„Alle, außer mir“ ist ein im besten Sinn aufklärender Roman über die Kolonialgeschichte Italiens. Francesca Melandri rollt eine Familiengeschichte vom Jahr 2010 nach hinten zum so genannten Abessinien-Krieg auf. Das Werk erschütterte mich vor allem durch den realen Hintergrund: im Laufe der Handlung begegnen wir realen Personen, von Benito Mussolini über den rassistischen Anthropologen Lidio Cipiani bis zu Muammar al-Gaddafi. Deren zitierte Schriften und Abhandlungen betreffend Geflüchtete übertreffen gestern wie heute die schlimmsten Vorstellungen.

Die Nachforschungen der gegenüber der Berlusconi-Regierung sehr kritisch eingestellten 40-jährigen Lehrerin Ilaria über die Zeit ihres mittlerweile dementen Vaters in den Jahren des Faschismus führen zu einem „Schwarzhemd“ – also zu einem Mitglied der paramilitärischen Milizen der italienischen Faschisten –und zu einem Vermögen, das durch Korruption zustande gekommen ist.

Nelson Mandela: Briefe aus dem Gefängnis. (C. H. Beck, München 2018; 752 Seiten mit 41 s/w Fotos, 8 Farbtafeln und einer Karte; € 28,80)

Was Nelson Mandela vom „Terroristen“ (laut Margret Thatcher 1987 bzw. Ronald Reagan 1988) zum weltweit verehrten Staatsmann und Idol machte, lassen die von seiner Enkelin herausgegebenen und kommentierten Briefe erahnen. Sie sind Zeugnisse eines liebenden Familienmenschen und weitsichtigen Politikers, dem nicht nur sein, sondern das Gemeinwohl der Gesellschaft(en) ein Herzensanliegen war, und sollten Pflichtlektüre werden.

Diese Bücher und noch viele mehr sind erhältlich auf:

www.suedwind-buchwelt.at

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