Liebe Leserin, lieber Leser!

Normalerweise finden Sie an dieser Stelle einen politischen Kommentar. Doch gerade ist alles ein bisschen anders.

© Illustration: Thomas Kussin

Ende 2016 informierte uns die Austrian Development Agency (ADA), dass sie die Förderung des Südwind-Magazins mit Ende Dezember einstellen wird.

Begründet wurde der Förderstopp mit dem EU-Beihilfenrecht. Die Argumentation ist aus Sicht des Südwind-Magazins nicht nachvollziehbar. Ein entwicklungspolitisches Nischen-Medium mit Bildungsauftrag soll nicht mehr gefördert werden können, da dadurch der Wettbewerb im EU-Binnenmarkt verzerrt werden könnte? Und das, nachdem das Südwind-Magazin 1979 im Austausch mit der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gegründet und seither immer aus diesen Mitteln gefördert wurde?

Es liegt nahe, dass die Entscheidung politisch motiviert ist. Offenbar ist unsere Berichterstattung schlichtweg nicht mehr erwünscht. Politisch verantwortlich ist Außenminister Sebastian Kurz, der für Entwicklungszusammenarbeit zuständig ist.

Wichtiger denn je. Die Situation ist für das Südwind-Magazin existenzbedrohend. Dabei ist gerade heute ein Magazin wie Südwind besonders wichtig. In einer Zeit, in der die Menschen immer stärker spüren, wie globalisiert unsere Welt ist, muss es Medien geben, die auf Regionen und Themen blicken, die im Getöse der Massenmedien untergehen: Der globale Süden, über den wir seit über 37 Jahren berichten, ist uns heute besonders nahe.

Menschen aus Afrika, Lateinamerika oder Asien kommen zu uns und wir reisen in andere Ecken der Welt. Unsere Handlungen hier haben Auswirkungen auf das Leben andernorts. Dass wir in einer Welt leben, zeigen uns zudem Themen wie Klimawandel oder Fragen des Welthandels. Auch wenn einige Regierungen ihr Land am liebsten isolieren würden: Die Staaten müssen gemeinsam Lösungen finden, ob sie wollen oder nicht. Die Entwicklungen rund um den Pariser Klimavertrag und die SDGs, die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, sind daher ein wichtiger Fokus unserer Berichterstattung.

Gegen- und Rückenwind. Viel ist aktuell die Rede von „Fake News“ und (rechten) Parteien, die erfolgreich ihre Propaganda verbreiten. Kritische Medien, die sorgfältig arbeiten, sollten daher stärker gestützt werden. „Gerade in Zeiten, in denen die öffentlichen Diskurse durch eine Vielzahl dubioser Quellen beeinflusst werden, brauchen Menschen verlässliche Informationsquellen, um sich ein angemessenes Bild zu verschaffen“, betont der Kommunikationswissenschaftler Fritz Hausjell in Richtung Südwind-Magazin.

Außenminister Kurz sieht das offensichtlich anders. Er wurde in unserer Angelegenheit nicht aktiv, auch eine breite Unterstützung konnte ihn nicht dazu bewegen.

Wer jedoch sehr wohl tätig wurde, waren viele tolle Menschen, die sich in den vergangenen Wochen solidarisch zeigten (siehe auch S. 50). Wir haben 600 neue Abos abschließen können, davon über 60 Solidaritäts-Abos, die uns besonders helfen. Die nächsten fünf Ausgaben sind dadurch gesichert!

Der Weg zur längerfristigen Absicherung des Südwind-Magazins ist trotzdem noch weit. 1.000 zusätzliche Abos retten das Südwind-Magazin. Bitte helfen Sie mit!

Die Redaktion geht jedenfalls auch dank des Rückenwindes der UnterstützerInnen weiter hochmotiviert ans Werk. Ich mittlerweile als Chefredakteur. Im Oktober habe ich diese Funktion von Irmgard Kirchner übernommen, die uns zum Glück als Redakteurin erhalten bleibt. Wir machen weiter!

Richard Solder

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