Marionetten der Wirtschaft?

Von Frank Braßel
Der kreative Einsatz für soziale Menschenrechte in Weltmarktfabriken ist notwendig und kann auch sinnvoll sein, wie die positiven Beispiele zeigen. Doch folgendes ist zu bedenken:

* Wo die lokalen Organisationen nicht ungefährdet an solchen Prozessen teilnehmen können, sind Sozialsiegel das falsche Instrument. Sie waschen internationale Unternehmen von ihrer Verantwortung für eine strukturelle Unterdrückung der Menschenrechte frei.

* Menschenrechte lassen sich in der Weltmarktproduktion nicht durch Absprachen zwischen NROs und Wirtschaftsführern durchsetzen. Ohne öffentliche Kritik und einen effektiven Süd-Nord-Dialog zwischen Gewerkschaften und NROs werden letztere zu Marionetten der Wirtschaft.

* Ein umfassender Regelungsversuch von internationalen Sozialstandards in der Weltwirtschaft allein durch NROs ist als Privatisierung des Menschenrechtsschutzes falsch und vermessen. Produktkampagnen und Verhaltenskodices bleiben gezielte einzelne Aktionen. Die Durchsetzung sozialer Menschenrechte ist ein verpflichtender Aufgabenbereich der Regierungen, der ILO oder der UN-Menschenrechtsgremien. Dort können und sollten sich dann auch NROs einmischen. Was sich allerdings nicht so gut "verkauft" wie ein Übereinkommen mit einem bekannten Unternehmen.

Frank Braßel ist Mitarbeiter der internationalen Menschenrechtsorganisation FIAN

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